softwarepatente

Googles Chrome in Zukunft ohne H.264-Support


Derzeit ist Flash der Quasi-Standard, wenn es um das Einbetten von Videos in Webseiten geht. Daran kann sich aber bald etwas ändern, denn Google kaufte vor einiger Zeit den Videocodec-Spezialisten On2 und veröffentlichte dessen Videocodec VP8 unter einer Open Source-Lizenz. Google kreierte dazu noch das WebM-Format, mit dem sich Videos und Audios bequem in Webseiten integrieren lassen.

Google ging diesen Weg, da für die Verwendung des H.264-Videocodecs in Zukunft hohe Lizenzgebühren befürchtet wurden. Alle bekannten Webbrowser bis auf Apples Safari werden WebM-Inhalte abspielen können (Chrome 6, Firefox 4, Internet Explorer 9, Opera 10.60). Darüber hinaus hat Adobe die Unterstützung von WebM in Flash angekündigt.

Allerdings verwendet man als Inhalteanbieter bisher besser den Codec H.264, weil dieser von Flash unterstützt wird und damit die größtmögliche Reichweite gegeben ist. Doch das ändert sich gerade, da Google entschieden hat, den H.264-Support aus Chrome zu entfernen. Damit ist Chrome mit Firefox der zweite Browser, der kein H.264 kann. Von den aktuellen Marktanteilen der Browser ausgehend bedeutet dies, dass in Zukunft ca. 90% aller verwendeten Webbrowser WebM-Inhalte abspielen können gegenüber 65% aller Browser, die H.264 unterstützen.

Weiterlesen:

Update 2011-01-13: Ich dachte immer, dass Opera ebenfalls H.264 unterstützt. Das scheint aber nicht zu stimmen, Opera kann nur WebM.

Update 2011-01-17: Googles für Chrome verantwortlicher Produktmanager hat zu den Hintergründen ein Statement gebloggt: More about the Chrome HTML Video Codec Change (via heise).

Trivialpatent auf das Herunterfahren eines Computersystems


Das ging letzte Woche durch die Blogs: Microsoft erhält ein Patent auf das prinzipielle Herunterfahren eines Betriebssystems. Das ist ein herrliches Beispiels für die Absurditäten, die im Trivialpatent-Bereich gerade laufen.

Videodokumentation zum LiMux-Projekt — Open Source für München


Über LiMux ist in den letzten Jahren viel berichtet worden. Die Stadt suchte nach einer neuen Softwarebasis für die Verwaltung, da Microsoft den Support für Windows NT 4 aufgekündigt hatte (Wikipedia hat einen dazu einen Artikel).

[via netzpolitik.org]

BGH lässt erstmals Softwarepatente zu während Google sich anschickt, den Patentdreck im Videobereich aufzuräumen


Was für eine Koinzidenz. Heise berichtet heute, dass der Bundesgerichtshof in einer neuen Entscheidung einen Weg aufgezeigt hat, Trivialpatente aka Softwarepatente in Deutschland zuzulassen.

Heute am Abend dann die von vielen erhoffte Meldung, dass Google den Videocodec VP8 unter eine Open Source-Lizenz gestellt hat.Videocodoecs sind ein patentverseuchter Bereich; auch wenn man einen komplett neuen Videocodec entwickeln möchte, wird man mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwelche Softwarepatente verletzen, von denen man noch nie etwas gehört hat.

Google hat ein existenzielles Interesse an einem »freien« Internet. Und als Betreiber des Videoportals YouTube möchte man sich der lizenzrechtlichen Schranken des Videocodecs H.264 (MPEG 4) entledigen. Damit der freie Codec rasche Verbreitung findet, hat Google das WebM-Projekt gegründet, das schon jetzt unter anderem von Adobe, Mozilla Foundation, Nvidia und Skype unterstützt wird. Bloggern wie auch E-Learning-Anbietern bietet sich auf der anderen Seite erstmals die Möglichkeit, Videos in einem Format anbieten zu können, das keine Lizenzkosten nach sich zieht.

Jonathan Schwarz' Erfahrungen mit Softwarepatenten


Jonathan Schwarz, bis Anfang Februar CEO bei Sun Microsystems, rechnet ein klein wenig mit zwei Großen der Branche in Sachen Softwarepatente ab, indem er von den kleinen, schmutzigen Trick berichtet, mit denen Apple und Microsoft Sun Microsystems ärgern wollten. Steve Jobs und Bill Gates hatten beide versucht, Sun-Produkte mit Hinweis auf Trivialpatente (Softwarepatente) zu ver- bzw. behindern. Jobs störte sich etwa am 3D-Desktop Project Looking Glass, Gates am Office-Paket OpenOffice.

Passend zum Thema zitiert Schwarz mit der Überschrift genüsslich Steve Jobs: »Good Artists Copy, Great Artists Steal«.

Weiterlesen bei Jonathan Schwarz: Good Artists Copy, Great Artists Steal.

Immer noch Blackboard


Bei Blackboard scheinen die Leute allmählich Panik zu bekommen. Der Marktführer, der 2005 WebCT übernommen hatte, hat im letzen Jahr ca. 24% seiner Anteile am amerikanschen Markt eingebüßt (von 77% runter auf 59% Marktanteil). Vielleicht erklärt das, warum sie mit allen Mitteln den kanadischen Konkurrenten Desire2Learn bekämpfen. Die zähe Geschichte um das angebliche »E-Learning-Patent« ist immer noch nicht restlos ausgestanden (Michael Feldstein beschreibt die Situation sehr ausführlich in seinem Blogpost »EduPatent Fight As Complicated As Ever«), da hat Blackboard eine weitere Klage gegen den Mitbewerber in Stellung gebracht: Blackboard Files Complaint With U.S. International Trade Commission Seeking to Block Sales of a Competitor's Products.

Stephen Downes schreibt dazu nur noch trocken: »Would the last developer to leave Blackboard please turn out the lights?«

»Blackboard Invented Nothing!«


Vor mehr als zwei Jahren hatte Blackboard ein Softwarepatent zum Thema E-Learning eingereicht und auch (vorläufig) zugesprochen bekommen. Dies hatte in der weltweiten Edu-Szene für viel Aufregung gesorgt und man begann in der englischen Wikipedia die Geschichte der Learning Environments nachzuzeichnen, um so Blackboards Patentanspruch widerlegen zu können. Auf Basis dieses Patents hatte Blackboard relativ schnell seinen direkten Konkurrenten Desire2Learn verklagt. Desire2Learn hat sich in einem zeitraubenden Verfahren dagegen gewehrt und nun ist das Ende erreicht, denn das U.S.-Patentamt hat der Firma Blackboard das vorläufig zugesprochene »E-Learning-Patent« wieder aberkannt. Damit fehlt der Klage jegliche Grundlage.

Das Gezerre ist übrigens exemplarisch für Softwarepatente, die es de jure in Deutschland und Europa gar nicht geben dürfte, aber von einigen Interessensvertretungen immer wieder gefordert werden.

Weiterlesen bei Desire2Learn: Blackboard Invented Nothing!

[via Stephen Downes]

Softwarepatente: Microsoft verklagt Linux … äh TomTom


Diese schwappt gerade aus den U.S.A herüber: Microsoft sues TomTom over Linux and other patent claims (TechFlash). Microsoft sieht da Verstöße gegen acht eigene Patente, von denen drei den Linux-Kernel betreffen (in TomTom werkelt Linux). Auf Slashdot gibt es dazu eine interessante Diskussion: Has Microsoft's Patent War Against Linux Begun?

Anscheinend geht es Microsoft vor allem um das FAT32, das allseits bekannte Dateisystem aus Windows 95. Da hat sich Microsoft massiv Patente sichern lassen, die sich seit einigen Jahren auch auszahlen. Denn überall dort, wo heute Speicherkarten zum Einsatz kommen, wird meistens das FAT32-Dateisystem verwendet. In der englischen Wikipedia steht dazu:

Microsoft applied for, and was granted, a series of patents for key parts of the FAT file system in the mid-1990s. Being almost universally compatible and well-understood, FAT is frequently chosen as an interchange format for flash media used in digital cameras and PDAs.

On 2003-12-03 Microsoft announced it would be offering licenses for use of its FAT specification and "associated intellectual property", at the cost of a US$0.25 royalty per unit sold, with a $250,000 maximum royalty per license agreement.

To this end, Microsoft cited four patents on the FAT file system as the basis of its intellectual property claims. All four pertain to long-filename extensions to FAT first seen in Windows 95

Darum dürfte es auch im Fall Microsoft vs. TomTom/ Linux gehen.

[via vowe]

Kritik an Softwarepatenten in den U.S.A wird immer lauter


Mit Blackboards »E-Learning-Patent« hatte die Diskussion um Softwarepatente auch den Bildungsbereich erreicht. Es gibt starke Bestrebungen in Europa, Softwarepatente zu ermöglichen. Diese Bestrebungen, hinter denen gerade Großunternehmen stehen, begleite ich ziemlich kritisch. Denn auf den Punkt gebracht halte ich Softwarepatente alles andere als wirtschafts- und innovationsfördernd. In den U.S.A hat man mit dieser Form von Patenten seit den 80-er Jahren Erfahrung. Und dort kann man sehr schön sehen, wie Softwarepatente dazu genutzt werden, um Innovationen der Konkurrenz zu verhindern.

Die Schmerzen dort sind erheblich. Gerade hat Joseph E. Stiglitz, US-Ökonom und Nobelpreisträger für seine Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten in einer Rede »konkrete Einschränkungen beim Patentsystem gefordert«:

Stiglitz bemängelte bereits den grundlegenden Ansatz, etwa Urheber- oder Patentrechte überhaupt als "geistiges Eigentum" zu deklarieren. Immaterielle Güter seien öffentlich und würden sich nicht "verbrauchen" lassen. Es sei daher auch schwierig, andere von ihrem Genuss auszuschließen. Das Eigentumsrecht an physikalischen Gütern könne daher nicht einfach auf sie übertragen werden. Andernfalls entstünden Monopolrechte über das Wissen, die oft missbraucht würden. Als Beispiel eines solchen Versagens nannte er die gegenwärtigen "Patentdickichte" im Bereich Software. Jeder, der ein erfolgreiches Computerprogramm schreibe, werde auf dieser Basis wegen Patentverletzungen verklagt.

Weiterlesen bei heise online: Nobelpreisträger kritisiert System des geistigen Eigentums.

Blackboards E-Learning-Patent jetzt erstmal wieder nichtig


Es geht hin und her: Zunächst ist Blackboard ein E-Learning-Patent zugesprochen worden. Das hat entsprechend heftige Reaktionen ausgelöst. Ziemlich schnell hat Blackboard dann begonnen, den kanadischen Konkurrenten Desire2Learn wegen angeblicher Patentverletzungen zu verklagen. Das weltweite Echo aus dem Educationbereich war so verheerend, dass man sich genötigt sah, ein so genanntes Patent-Pledge abzugeben. Demach sollte nichtkommerzielle Nutzung des E-Learning-Patents erlaubt sein. Und nun berichtet heise, dass das US-Patentamt das E-Learning-Patent für nichtig erklärt hat. Allerdings kann Blackboard gegen diese Entscheidung noch Widespruch einlegen. Das dürfte allerdings nichts an der Schadenersatzforderung an Desire2Learn ändern:

Unklar ist noch, wie sich die Entscheidung auf den laufenden Rechtsstreit zwischen Blackboard und Desire2Learn auswirken wird. Geschworene eines texanischen Gerichts hatten die Kanadier im Februar der Verletzung des Schutzrechts des Konkurrenten für schuldig befunden und zur Zahlung von 3,1 Millionen US-Dollar zum Schadensersatz und zur Vergütung entgangener Lizenzeinnahmen verdonnert. Desire2Learn ist in die Berufung gegangen, hat die eigene Softwaresuite aber abgeändert. Dabei wollen die Kanadier eine Umgehung der umkämpften Patentansprüche in ihr System eingebaut haben. Blackboard wiederum gelobte vor über einem Jahr, das Schutzrecht nicht gegen Open-Source-Anbieter in Stellung bringen zu wollen.
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