»Wir haben eine hochresponsive Unternehmenskultur, welche die Agilität ins Zentrum stellt«

Auf manager-magazin.de gibt es einen Artikel aus dem Harvard-Businessmanager in voller Länge zu lesen, der auf auf www.harvardbusinessmanager.de selbst kostenpflichtig ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Unter dem Titel »Die Realtime-Illusion« (wie erwähnt, auf manager-magzin.de kostenlos, auf harvardbusinessmanager.de kostenpflichtig) beschreibt Autor Oliver Gassmann eine Form von fehlender Wertschätzung, die durch angebliches ständiges-verfügbar-sein-müssen begründet wird und die damit in einer Art tautologischem Zirkelschluss die eigene Bedeutung unterstreicht.

Im vergangenen Jahr wurde ich von der Geschäftsleitung einer europäischen Großbank gebeten, ein Seminar zum Thema Innovation zu halten. Die Gründe für die schwache Innovationsfähigkeit des Unternehmens zeigten sich bereits in der ersten Stunde: Zwei Drittel der Teilnehmenden, alles hochrangige Führungskräfte, saßen mit gesenkten Köpfen vor mir und tippten permanent auf ihren Blackberrys herum. Sie versuchten, gleichzeitig im Seminar und in der virtuellen Welt zu agieren.

Bei entsprechender Unternehmenskultur ist es derzeit so, dass man Gesprächspartner wunderbar dank Blackberry oder PDA mit Nichtbeachtung strafen kann. Als Entschuldigung hört man dann so wunderbvare Stilblüten wie in der Überschrift dieses Beitrages (ein Zitat aus Gassmanns Artikel). Allerdings glaube ich nicht, dass diese Form der Nicht-Wertschätzung erst mit den modernen Kommunikationsmitteln Einzug gehalten hat. Davor war ein solches Verhalten einfach nur etwas subtiler (oder auch nicht; ich erinnere mich noch an eine Besprechung bei einem großen deutschen Konzern, bei der sich einer meiner vier Gesprächspartner ausgiebig seiner Fingernagelpflege hingegeben hatte).

Bei dem Thema »Realtime-Illusion« geht es eigentlich gar nicht so sehr um moderne Kommunikationsmittel. Eigentlich geht es um ganz profanes Zeitmanagement, um Selbstorganisationskompetenz. Die Zeiten, bei denen bei E-Mail-Eingang der Computer laut gebimmelt hat, sind schon seit Ende der 90-er Jahre vorbei. Und um auf das Thema E-Learning zu kommen: Wenn man beispielsweise ein Web Based Training absolviert oder im internen Firmenwiki an dem neuen Produktkonzept mitschreibt, genau dann ist es an der Zeit, Telefon bzw. Handy umzuleiten, Inbox Inbox sein zu lassen und sich ganz auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren.

[via EDV - Ende der Vernunft]

E-Learning-Blog: 

Kommentare

Hm, nach DER Überschrift habe ich bereits "Bingo!" gerufen. ;-)

Im Ernst, neben den CrackBerry-Fummlern sind mittlerweile auch die Twitter-Tippseler dem beschriebenen Wunschdenken anheim gefallen. Scheinbar ist konzentriertes Zuhören auch aus der Mode gekommen.

Langsam wird meine persönliche Liste der Kulturtechniken, die langsam verloren zu gehen scheinen, immer länger:

- Lesen
- Verstehen
- Rechnen
- Merken
- NEU: Zuhören

Ich glaube ja eher, dass es in Richtung Wertschätzung bzw. mangelnde Wertschätzung geht. Man könnte zwar zuhören, man will aber nicht

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