Ideen zum E-Learning von Morgen

Godfrey Parkin berichtet von einer sehr interessanten Veranstaltung der US Naval Education and Training Command and the Defence Acquisition University mit dem Titel Innovations in E-learning. Godfrey beeindruckte vor allem IBMs Vision zum Thema E-Learning: embedded learning oder auch workflow learning. Die Kernaussage lautet schlicht:

In den nächsten drei Jahren wird sich E-Learning weg von der formalen klassenraumbasierten Lernen (Web Based Training) bewegen, hin zu einer intelligenten Integration von informellen Kollaborationsprozessen wie Instant Messaging, Weblogs, Wikis...

Ob es wirklich zu einem solchen Paradigmenwechsel in der Weiterbildung kommt sei einmal dahingestellt. Interessant an diesem Ansatz ist der Einsatz von nicht allzu komplexer, schon vorhandener Technologien. Das folgende Beispiel veranschaulicht es:

Tom in Finance gets an urgent request to authorize foreign travel funds for an executive. He learned how to do that in a training course last year, but has never needed to do it in practice, so he's lost. The help system, typically, doesn't. The FAQ gives no guidance either. So he sends out a broadcast Instant Message to a small group of SMEs and experienced practitioners asking for help. So far this is not a lot different from »prairie dogging« – popping your head up above your cube divider and yelling "Does anyone know how to..." But here is where it gets interesting. Jill, an experienced practitioner in another city, responds to the message. She remotely takes control of Tom's computer and talks to him as he watches her go through the steps on his screen. She identifies that the help system, the FAQ, and possibly the original training are inadequate, and updates the FAQ in wiki-like fashion. Then she identifies a group of Tom's peers who might benefit from knowing what Tom now knows, and sends them an announcement of a ten-minute webinar for later that week. During the webinar, she records the session, and saves it to the system where those who could not make it, or those who may encounter the problem in the future, can easily find and watch it. Then she notifies those responsible for basic training, and those responsible for the help system, that they might need to pay attention to the issue. Tom, in the meantime, evaluates the help he has received, and his ratings and comments get added to Jill's profile for reference by future aid-seekers, and her management.

Weiterlesen bei Parkin's Lot: Learning innovations.

E-Learning-Blog: 

Kommentare

That sounds great! Aber wie wird daraus ein Geschäft? (We are just in it for the business - oder?)
Daher die Frage: Womit verdient Jill ihre Brötchen? Oder anders wie rechnet Tom bzw. Toms Chef die möglicherweise entstehenden Kosten ab? Oder wie erfährt Toms Chef von Toms Anliegen, das möglicherweise Kosten verursacht und/oder erst genehmigt werden muss?
Wenn Jill und Tom und ihre Chefs alle in einer großen Firma arbeiten mag dies ja noch über bestimmte Schlüssel abrechenbar sein. Wenn man aber bedenkt, dass dort ganze Geschäftsbereiche auch als Profitcenter arbeiten wird das schon kniffliger.
Vielleicht hat Jill ja aber auch eine 190iger Nummer oder Tom verfügt über ein eigenes Weiterbildungsbudget, das er mittels Micropayment verwenden kann.
Will ich als Unternehmen, dass Tom fröhlich zu irgendwelchen Vorgängen in der Welt (sei es die weite oder die konzerneigene) "rumfunken" kann?
Workflow learning als Geschäftsmodell ist mir noch unklar. Informelle Lernprozesse mögen wichtige Elemente in der Wissens/Kompetenzaneignung sein - herkömmliche Geschäftsprozesse verhalten sich allerdings anders, es sein denn wir wechseln auch dort zu informellen Formen wie Naturalientausch, Schwarzmarkt, etc. ...

> That sounds great! Aber wie wird daraus ein Geschäft? (We are
> just in it for the business - oder?)

So he sends out a broadcast Instant Message to a small group of SMEs and experienced practitioners asking for help.

SME steht für Small and Medium Enterprises. Der Vice President der IBM stellt es sich also so vor, dass es irgend wie eine Zentrale gibt, die solche Rufe um Hilfe (das kennen wir schon unter dem Stichwort bedarfsorientiertes Lernen – learning on demand) annimmt und an Dienstleister weiterleitet. Es ist halt eine Vision, kein sauber ausgearbeitetes Geschäftsmodell.

Wenn es denn für Unternehmen tatsächlich interessant werden sollte, werden sich auch Lösungen für die Abrechnungsproblematik finden. Prinzipiell ist es ja gar kein Problem (und häufig schon Praxis), dass Mitarbeiter über ihr eigenes, persönliches Weiterbildungsbudget zumindest zu einem Teil verfügen können.

Aber wie gesagt, die Idee ist noch nicht ausgereift und funktioniert so wohl auch nicht in Deutschland. Wer weiß, was sich daraus entwickelt. Nur eines ist sicher: E-Learning in Form von kursbasierten Computer und Web Based Trainings hat sich nicht durchgesetzt. Und allmählich öffnen sich Organisationen für andere didaktische Konzepte, die neue Formen der Weiterbildung ermöglichen.

>Nur eines ist sicher: E-Learning in Form von kursbasierten Computer
>und Web Based Trainings hat sich nicht durchgesetzt.

Na, so pessimistisch würde ich das nicht sehe ;-). E-Learning ist nicht gescheitert sonder gescheiter worden. In Blended Learning Szenarien werden intelligente Kombinationen von Selbstlernen, Kollaboration, Kommunikation und Präsenzhandeln verwirklicht.
Darüber hinaus sind kluge Hilfesysteme und Communities auf jeden Fall sinnvolle Ergänzungen. Was die Branche allerdings im Moment mit Sicherheit nicht gebrauchen kann ist ein neuer übereilter Hype, dem keine solide Geschäftsbasis zu Grunde liegt.

E-Learning ist natürlich nicht gescheitert. Was aber nicht funktioniert hat, war aus dem Methodenbaukasten das Werkzeug Präsenzveranstaltung herauszunehmen und durch das Werkzeug Computer Based Training zu ersetzen.

Will sagen, man hat in der Vergangenheit versucht, die klassischen didaktischen Konzepte des klassenraumbasierten Lernens (negativ: Frontalunterricht) auf die neuen Medien zu übertragen. Das hat nicht funktioniert, darüber hinaus hatte man große Hoffnung in die neuen Medien gesetzt, um mit ihrer Hilfe den Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft meistern zu können. Es zeigt sich jedoch immer stärker ab, dass Weiterbildung und Kompetenzentwicklung nur zu einem geringen Anteil von didaktisch aufbereiteten Veranstaltungen profitieren. Die eigentliche Aneignung von Wissen findet zu 80% außerhalb von Lehrveranstaltungen statt (siehe auch Staudt und Dohmen).

Neuen Kommentar schreiben