E-Learning-Entwickler sollten sich langsam von Flash verabschieden

Okay, für eingefleischte Flash-Entwickler mag das ein wenig frustrierend oder gar ketzerisch klingen, aber ich glaube, dass die Tage von Flash gezählt sind. Im Moment erlebt Flash seine beste Zeit, die Zukunft gehört aber HTML5.

Flash ist eine Entwicklungsumgebung zur Erstellung multimedialer und interaktiver Programme (Inhalte). Die Programme laufen, ähnlich wie bei Java oder .NET, in einer Sandbox-artigen Umgebung ab, dem Flash-Player. Als Entwickler produziert man ein Flash-Programm (auch Flash-Film genannt), das dann auf verschiedensten System abgespielt werden kann, sofern dort ein Flash-Player verfügbar ist.

In Webbrowsern ist zwar schon fast von Anbeginn JavaScript eingebaut, womit man ebenfalls interaktive Webseiten entwickeln kann. Allerdings war es zu Zeiten des großen Browserkriegs nur mit Kopfschmerzen möglich, eine interaktive Webseite zu entwickeln, die in möglichst jedem JavaScript-fähigen Browser gleich gut funktionierte. Mit Flash ging das sehr viel einfacher, da für die Darstellung von Flashinhalten nicht der Webbrowser sondern der Flash-Player zuständig ist. Zudem kam Flash der damaligen Vorstellung entgegen, dass Webseiten, in Analogie zum Print-Bereich, in beliebigen Webbrowsern auf unterschiedlichen System immer gleich aussehen sollten.

Eine weitere wichtige Eigenschaft von Flash ist das Abspielen von Audios und Videos. Erst seit HTML5 können Webbrowser ohne Hilfsprogramme Videos abspielen. Davor gab es im Grunde nur zwei Möglichkeiten, um Audio- und Videointegration in Webseiten einigermaßen systemunabhängig hinzubekommen: Real oder Flash, wobei aber Flash als echte Entwicklungsumgebungen weit mehr Möglichkeiten bot als der reine Videoplayer von Real.

Allerdings ist auch die Verwendung von Flash nicht ganz schmerzfrei. Als Anwender merkt man wohl als erstes den Ressourcenbedarf des Flash-Players (was wohl der wesentliche Grund von Apple ist, Flash weder auf iPhone noch auf iPad zuzulassen), weniger bekannt sind dagegen die Privacy-Probleme (Flash kennt beispielsweise Cookies-ähnliche Dateien namens Local Shared Objects). Unternehmen dagegen müssen vor allem mit den immer mal wieder auftauchenden Sicherheitsproblemen kämpfen (allerdings, wenn man jahrelang sein Unternehmen vor den Sicherheitslücken eines Internet Explorer 6 schützen musste, ist man solchen Kummer wohl gewöhnt).

Und trotz des Versprechens: Funktionsumfang und Art der Integration des Flash-Players können von System zu System anders sein. Unter unixoiden Betriebssystemen hat der Flash-Player beispielsweise die nervige Eigenart, sich immer in den Vordergrund zu drängeln und sich über alle anderen Ebenen zu positionieren.

Mit dem zukünftigen Standard HTML5, der von Apple Safari, Google Chrome, Mozilla Firefox und Opera schon zu großen Teilen unterstützt wird, sind die meisten Dinge, für die man Flash benötigt hat, nun im Webbrowser nativ möglich. Mit Chrome und Safari kann man beispielsweise auf Youtube schon Videos im H.264-Format ohne Flashplayer ansehen. Flash wird man in Zukunft für die allermeisten Dinge nicht mehr benötigen. Adobe sieht es wohl ähnlich, denn derzeit werden Stimmen laut, die dem Flash-Hersteller vorwerfen, den Standardisierungsprozess von HTML5 bewusst zu behindern.

Es wird aber sicherlich noch ein paar Jahre dauern, bis sich HTML5 durchgesetzt hat. Wenn man als Unternehmen also gerade daran ist, seine internen E-Learning-Entwicklungsprozesse neu zu designen, kann man sicherlich noch auf Flash setzen. Für E-Learning-Dienstleister heißt es dagegen, sich allmählich auf die neuen Möglichkeiten der Webbrowser mit HTML5 einzustellen. Und dabei auch das leidige Thema H.264-Lizenzen nicht außer Acht zu lassen.

Kommentare

Meiner Meinung nach ist die Gemeinde der Flash-Entwickler so riesig, dass es schwer wird Flash schnell abzulösen.
Der "Browserkrieg" um JavaScript mit dem Aus für JScript sollte ein Beispiel sein. Das Web und seine Entwickler sind auch mit großem Druck nur bedingt in eine Richtung zu drängen. Also - Es wird spannend bleiben!

Ich glaube auch, dass Flash noch für längere Zeit eine gewichtige Rolle spielen wird. Aber die Bedeutung wird abnehmen. Und was die Flash-Entwickler angeht: Die Unternehmen sind momentan eher genervt, weil sie nicht genügend gute Flasher finden.

Was meinst du mit dem »Aus für JScript«? Ich dachte, JScript und JavaScript unterscheiden sich nur in ihrem DOM-Zugriff (was ja im Grunde die Browser-API ist).

Jetzt schon auf HTML5 Videos produktiv umzusteigen würde sicherlich die Entwicklungsabteilung freuen, wegen der vielen zusätzlichen Stunden die benötigt werden, um die Plattform für einen Großteil der User verfügbar zu machen.

50% der (Normal-)User - und gerade im Unternehmensbereich proportional noch mehr - nutzen IE. Sprich, ich müsste sowieso eine Flash-Variante bereitstellen. Durch die "einheitliche" Sichtweise, was den Codec angeht, müssten alle Videos doppelt gerendert und bereitgestellt werden.

Nur um HTML5 zu "promoten" müsste dreigleisig gefahren werden IE, H.264 und OGG - das "finanziert" keiner, wenn er mit Flash 96 % kriegen kann und das sowieso anbieten muss (wegen der IE'ler).

Soweit ich mich noch an den Vortrag eines Youtube-Techniker erinnern kann, viel die Wahl auf HTML5 H.264 auch deshalb weil die Videos sowieso in H.264 vorliegen und ein Konvertieren 'aller' Videos in ein anderes Format 'zeitlich' überhaupt nicht machbar wäre. Somit Google+Youtube+Chrome und Apple mit iPhone H.264 sowieso liebt, war nichts anderes von den zwei Bigplayern zu erwarten.

Des Weiteren darf man nicht vergessen, dass man mit den Flashplayern mehr machen kann, als nur Videos abzuspielen - was quick&dirty zu realisieren ist (Zeit ist nun mal Geld). Sicherlich wird Flash irgendwann einmal ersetzt, aber erst wenn das 'Gegenmittel' die gleiche Reichweite und die gleichen (umsetzbaren) Funktionalität mitbringt.

Das Geld für ein Crosscoding HTML5/Flash sollte lieber in die Inhalte gesteckt werden ;)

Ich denke, Flash wird in den nächsten Jahren noch eine wichtige Rolle spielen, aber der Zenit ist erreicht und die Zukunft gehört HTML5. Schauen wir mal in fünf Jahren, wie es dann aussieht. Wo standen wir 2005?

Der große Vorteil von HTML5 wird übrigens sein, dass man ohne propritäre Entwickungsumgebung programmieren kann. Schon jetzt gibt es viele freie Bibliotheken für JavaScript, nehmen wir mal zum Beispiel jQuery. Und das wird weiter zunehmen, ähnlich wie bei PHP werden ganze Frameworks für HTML5 entstehen und so die Möglichkeiten für HTML5 ständig erweitern.
Eine solche Dynamik kann ein propritäres System wie Flash gar nicht erreichen. Und schon jetzt experimentieren die Leute wie wild mit den neuen Möglichkeiten und es kommen dabei verrückte Dinge wie ein Flash-Player in reinem JavaScript heraus ;-)

Was die Video-Codecs angeht: Nokia hatte zwar verhindert, dass Ogg Theora schon jetzt in den HTML5-Standard aufgenommen wird (übrigens nicht aus technischen Gründen sondern vorgeblich, weil man ausgerechnet dort die Gefahr von U-Boot-Patenten sah). Aber ich denke, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Und wenn man nicht gerade Youtube heißt, ist es bei den heutigen Festplattenpreisen kein Problem, Videos sowohl im H.264- als auch im Theora-Format vorzuhalten.

Man sollte zwischen Flash-Player und Flash als Entwicklungsumgebung unterscheiden zu lernen.
Adobe Flash wird sich als Entwicklungsumgebung eher weiter etablieren - bald wird es einen HTML5 Export geben, so dass der Flash-Player zwar aussterben könnte - Allerdings nicht die Entwicklungsumgebung, mit der man hervorragend und effizient (im Vergleich zum reinen HTML5-Coden), arbeiten kann...

Neuen Kommentar schreiben