Wie der Bildungserfolg vom Einkommen der Eltern abhängt

Ich mag Studien, die anschaulich belegen, dass individueller Erfolg und Wohlstand reine Glückssache sind und stark von der sozialen Stellung der Eltern abhängen.

Heute ist in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter der Überschrift »Casinos machen Kinder schlau. Bei Indianern zeigt sich, dass das Einkommen über den Bildungserfolg der Kinder entscheidet« von einer Studie aus dem Jahr 2008 zu lesen, in der aufgezeigt wird, wie in einem Indianerreservat die Zahlungen aus den Gewinnen eines den Indianern gehörenden Spielcasions den Bildungserfolg beeinflussen. Fast schon erschreckend: Mit einer jährlichen Zahlung von lediglich 4.000 US-Dollar an indianische Eltern werden die Bildungschancen der Kinder maßgeblich verbessert (Hervorhebung von mir):
Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder aus Indianerfamilien einen Highschool-Abschluss machten, stieg dank der Transfers aus den Casino-Einnahmen deutlich an; grob gerechnet, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass 4000 Dollar zusätzliches Einkommen jährlich für die ärmsten Familien ein zusätzliches Schuljahr für die Kinder bedeuteten. Zudem senken die Transfers die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder mit 16 oder 17 Jahren kleinere Vergehen wie Diebstahl begangen haben, um rund 22 Prozent. Ebenfalls deutlich zu sehen ist, dass das zusätzliche Geld am meisten den Kindern der ärmsten Familien hilft. Um es kurz zu machen: Ein höheres Familieneinkommen bedeutet eine bessere Ausbildung der Kinder und ein kürzeres Vorstrafenregister, egal, welche Ausbildung die Eltern haben.

Die Studie kann bei EconPapers heruntergeladen werden.

E-Learning-Blog: 

Kommentare

[...] Ausbildung. Und auch keine reine Abhängigkeit der Bildungschancen vom Einkommen der Eltern. (Dazu fällt mir Tims Entdeckung ein) . Für eine libertäre Erziehung statt Schule als geringeres Übel zum [...]

Was haltet Ihr von einem Bildungssystem, bei dem jeder wirklich die gleichen Chancen hat, das Beste aus seinem Leben zu machen ?

Ich beschreibe mein Grundkonzept für dieses Bildungssystem hier: http://www.onlinetechniker.de/?q=node/23#vergleich

Es ist ein Bildungssystem, daß jeden Menschen gleichbehandelt, unabhängig von seinem Menschentyp, seiner Rasse und seinem Elternhaus. Das Hauptziel der Mentoren ist es, den (jungen) Menschen an seine Lebensaufgabe heranzuführen. Es kommt also vor allem darauf an, herauszufinden in welchem Bereich der betreffende Mensch das Bestmögliche leisten kann.

E-Learning kann einen Beitrag zur Förderung der Chancengerechtigkeit bieten

Eigentlich ist es doch gar so schwer zu verstehen, dass E-Learning Nachhilfe effizienter machen kann und in zugegebenermaßen eng abgesteckten Grenzen die eine oder andere Nachhilfestunde ersetzen kann. Da geht's nicht nur (aber auch) um Kosten, sondern auch um neue, in vielen Fällen bessere Lernmöglichkeiten. Aber das scheint ein Tabu-Thema in Deutschland zu sein. Oder kann mir jemand sagen, warum hier so gemauert wird?

Das ist ein interessanter Aspekt. Unser Bildungssystem unterscheidet ja stark nach sozialer Herkunft. Das funktioniert, gerade weil man ja jeden Tag zusammensitzt. Bei E-Learning weicht man diese intensive, interpersonelle Kommunikation auf. In einer Online-Kommunikation kommt kommt die soziale Herkunft nicht so zum Tragen. Vielleicht kann man so für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen?

Nur, wen interessierts?

Habe das Thema 'Beitrag zur Chancengerechtigkeit' in einem Ministerium mal angesprochen und die Reaktion war eindeutig die: bloß nicht an so ein heißes Eisen gehen! Würde man sich ja eingestehen müssen, dass die soziale Herkunft so eine bedeutende Rolle spielt. Wo es eigentlich doch eh jeder weiß!
Habe sogar schon mit Eltern gesprochen, die mir offen sagten: Ich kann mir die Nachhilfe für meine Kinder leisten. Warum sollte ich ein Interesse daran haben, dass auch andere leichter in den Genuss von Förderung kommen.
Aber das Grundübel bleibt: eLearning wird häufig in die Technikecke abgelegt und das pädagogische Personal ist von Haus aus wenig Computer-afin. Und wenn's um Förderung / Chancengerechtigkeit gehen soll, dann bitteschön mit den erprobten Mitteln. Zur Not legt man öffentlichkeitswirksam ein Konzept für Kinder von Hartz IV -Empfängern auf (überprüft da eigentlich jemand die Effizienz?). Ohne zu erkennen, dass die erprobten Mittel dauerhaft von vielen gar nicht bezahlt werden können.
Ich hör jetzt auf!

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