BGH lässt erstmals Softwarepatente zu während Google sich anschickt, den Patentdreck im Videobereich aufzuräumen

Was für eine Koinzidenz. Heise berichtet heute, dass der Bundesgerichtshof in einer neuen Entscheidung einen Weg aufgezeigt hat, Trivialpatente aka Softwarepatente in Deutschland zuzulassen.

Heute am Abend dann die von vielen erhoffte Meldung, dass Google den Videocodec VP8 unter eine Open Source-Lizenz gestellt hat.Videocodoecs sind ein patentverseuchter Bereich; auch wenn man einen komplett neuen Videocodec entwickeln möchte, wird man mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwelche Softwarepatente verletzen, von denen man noch nie etwas gehört hat.

Google hat ein existenzielles Interesse an einem »freien« Internet. Und als Betreiber des Videoportals YouTube möchte man sich der lizenzrechtlichen Schranken des Videocodecs H.264 (MPEG 4) entledigen. Damit der freie Codec rasche Verbreitung findet, hat Google das WebM-Projekt gegründet, das schon jetzt unter anderem von Adobe, Mozilla Foundation, Nvidia und Skype unterstützt wird. Bloggern wie auch E-Learning-Anbietern bietet sich auf der anderen Seite erstmals die Möglichkeit, Videos in einem Format anbieten zu können, das keine Lizenzkosten nach sich zieht.

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Kommentare

Kleine Korrektur des 'erstmals'. AFAIK ist Theora auch (patent)frei. Im Zusammenhang mit dem Vorbis-Audio-Codec kodiert dieser laufende Bilder, die dann im OGG-Container verpackt werden.

Selbst die Tagesschau scheint diese frei Alternative auszuprobieren

Beste Grüße
M. Butz

Ja, Theora ist ein freier Codec. Aber Theora fehlt die großflächige Unterstützung auf Client-Seite. Mit dem WebM-Projekt schafft es Google, dass erstmals ein freier Codec auch flächendeckend abgespielt werden kann.

Es ist zu begrüßen, dass H.264 Konkurrenz bekommt. Wie "frei" allerdings VP8 tatsächlich ist oder sein wird, wird sich erst in der Zukunft herausstellen. Videokomprimierungsverfahren sind derzeit - technisch gesehen - häufig recht ähnlich, so dass sehr schnell Rechte Dritter betroffen sein können. Nach einem ersten Blick auf den Code von VP8 haben das auch die Konkurrenten festgestellt, und so prüfen die ersten Patentrechtsanwälte, ob durch VP8 Patentrechte Dritter verletzt werden. Man darf gespannt sein, ob Google noch eine Klage ins Haus steht oder ob man sich im Stillen hinter verschlossenen Türen einigen wird.

Da ist der Kommentar von einem der x264-Entwickler ganz spannend zu lesen. Der hat VP8 mit H.264 verglichen und tatsächlich Ähnlichkeiten festgestellt. Doch anscheinend ist der Konzern Google gewillt, eventuelle Klagen auszufechten.

Klassische Codecs arbeiten alle recht ähnlich. Es gibt aber noch die Wavelet-basierten Codecs, Dirac von der BBC und Snow aus dem Ffmpeg-Projekt.

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