DE-Mail weiter in der Kritik

Die Bundesregierung möchte mit De-Mail ein Mailsystem etablieren, das rechtsverbindliche Kommunikation im Internet ermöglicht. Auf der Website von De-Mail werden die Vorzüge für Bürgerinnen und Bürger erläutert, im wesentlichen werden dort drei Punkte herausgestellt, warum De-Mail für den privaten Gebrauch interessant ist: Datenschutz, Elektronisches Einschreiben und die persönliche De-Mail-Adresse:

Verschlüsselt, authentisch und nachweisbar - einfach, schnell und von überall

Geschäftliche oder behördliche Kommunikation, die bisher den Postweg erforderte, können Sie mit De-Mail einfacher, schneller und von jedem beliebigen Ort aus vollständig elektronisch erledigen. Öffnungszeiten spielen keine Rolle, in den Warteschlangen stehen andere. Dadurch sparen Sie Zeit und natürlich auch Geld.

Die Vorzüge für Unternehmen und Behörden werden ebenfalls genannt, da geht es im wesentlichen um die rechtsichere elektronische Kommunikation:

Verschlüsselt, authentisch und nachweisbar - für den Austausch elektronischer Nachrichten zwischen Privatpersonen, Unternehmen und Behörden

Optimierte Prozesse

Unternehmens- und Verwaltungsprozesse zeichnen sich bisher durch Medienbrüche aus. Eine vollständig elektronische Bearbeitung ist vor allem bei juristisch relevanten Arbeitsschritten oft nicht möglich, etwa wenn die fristgerechte Zustellung eines Schriftstücks zweifelsfrei nachgewiesen werden muss. Der ständige Wechsel von Elektronik zu Papier führt zu erheblichen Prozessverzögerungen und verursacht immensen Aufwand. Mit De-Mail können Unternehmens- und Verwaltungsprozesse ohne Medienbruch elektronisch abgewickelt werden. Die Folge: Sie optimieren Ihre Prozesse und reduzieren Ihre Kosten.

Nun sind technische Sicherheit und Rechtssicherheit gar nicht so trivial zu erreichen. Im Grunde wird, wie Kris aus seiner Sicht als ehemaliger Security-Experte bei einem großen Mailprovider beschreibt, ein Gesetz speziell für De-Mail gestrickt, das eine Rechtssicherheit erst möglich macht. Da Provider wie GMX und T-Online mittlerweile Vorregistrierungen für De-Mail annehmen und ein Referentenentwurf zum De-Mail-Gesetz erschienen ist, hat sich der Verbraucherzentrale Bundesverband mit dem Thema beschäftigt:

Nach der Prüfung der einzelnen Regelungen im Referentenentwurf kommt der vzbv zu dem Schluss, dass für den Bürger die Nachteile deutlich überwiegen.

Auch der c't ist das Thema einen Artikel wert und stellt mit der einhergehenden Beweislastumkehr (als De-Mail-Nutzer muss man beweisen, dass ein Dokument einen nicht erreicht hat) einige technische Aspekte in den Vordergrund:

  • De-Mail hat einen Viren- und Spam-Filter eingebaut, damit besteht die prinzipielle Gefahr, dass Nachrichten nicht zum Empfänger gelangen.
  • Eine Nachricht gilt spätestens drei Tagen nach dem Versand als zugestellt, unabhängig davon, ob man die Mails auch abgerufen hat.
  • Als Bürger muss man im Zweifelsfalle nachweisen, dass man eine Nachricht verschickt hat, beispielsweise mit einen kostenpflichtigen Zusatzdienst.

Das Fazit der c't:

Die Bürger dürften allerdings den neuen E-Mail-Diensten kritisch gegenüberstehen. Während Unternehmen und Behörden viel Porto sparen, bekommen Privatkunden mehr Pflichten aufgebürdet als bei der Zustellung der Papierpost und müssen einem System vertrauen, von dem noch nicht bekannt ist, ob es wirksam gegen Angriffe und Spam-Attacken geschützt ist und die Korrespondenz dort sicher aufgehoben ist.

E-Learning-Blog: 

Kommentare

Ich stehe der De-Mail sehr kritisch gegenüber. Ich verstehe nicht einmal richtig den Bedarf, denn sichere Mails gibt es schon lange und Signaturen auch. Für mich ist die De-Mail eine typische Kompromißlösung. Man wollte es allen recht machen, aber herausgekommen ist eine Lösung mit der niemand glücklich ist.

Den Medienbruch wird es weiterhin geben, er wird sogar gefördert. Sicherheit ist nicht hinzugekommen. Das Verständnis in der Bevölkerung für sichere Mails wurde auch nicht gefördert und jetzt schreiben viele Firmen E-Mails, die per Post zugestellt werden.

Ich sehe jedoch auch das Problem der Rechtssicherheit. Informationen müssen zugestellt werden. Sicherlich werden nie 100% der Deutschen online sein, aber wie viele sind auch nicht per klassicher Post erreichbar? Wann kommt die Gesundheitskarte und mit ihr eine flächendeckende Signatur? Müssen für alle Verfahren Ausnahmen gemacht werden? Ausnahmen sind immer sehr kostenintensiv, doch nur ein vollkommen elektronischer Ablauf spart Kosten. Jetzt gibt es zwei Wege für die Zustellung und das macht es im Grunde nicht wirklich leichter.

Ich könnte bestimmt jetzt noch ne Menge von elektronischen Workflows und dem öffentlichen Dienst schreiben, aber am Montag soll der Kommentar nicht länger als der Beitrag sein:-)

Gruss aus dem Norden
Andreas

hehe, ja dein Kommentar könnte eigentlich ein eigener Blogbeitrag sein ;-) Ich sehe De-Mail übrigens nicht als eine Kompromisslösung, sondern als klare Interessenslösung der Verwaltung. Man bau sich ein Kommunikationssystem mit happigen rechtlichen Verpflichtungen für den Bürger auf, das einem klar zu verstehen gibt, dass man im Grunde nur Bittsteller bei Behörden (und Unternehmen) ist.

DE-Mail: Was es alles kann – und auch nicht …

Es gibt schon länger Alternativen, so wie etwa Opolis Secure Mail (http://www.opolis.eu), die mehr können, global anwendbar sind und auch noch gratis sind ...

Ausserdem: Bei Opolis entscheidet der Absender, was der Empfänger mit der Nachricht machen darf (weiterleiten, kopieren, ausdrucken)

Interessanter Artikel:
http://www.prlog.org/10834702

Es steckt eine gute Idee hinter der DE-Mail aber das lässt sich halt leider nicht so umsetzen.. 100%ige Sicherheit gibt es nicht.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht ;-) Und so, wie DE-Mail konzipiert ist, will man die rechtsverbindliche Kommunikation zu den Bürgern für die Behörden vereinfachen – auf Kosten der Pflichten der Bürger. Die technischen Probleme scheinen mir auch gravierend zu sein.

Ich habe mal ein paar Punkte zu De-Mail zusammengetragen. Auch persönliche Interviews mit Verantwortlichen. http://bit.ly/btc8r5

mfg Bätschman

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