Medienkompetenz: Der Fisch stinkt vom Kopf her

Wie im letzten Blogposting schon erwähnt, beschäftige ich mich gerade wieder etwas intensiver mit dem Thema Medienkompetenz. Ein schwieriges aber wichtiges Feld, dann das Internet verändert gerade unsere Welt nachhaltig. Doch wie darauf eingehen, wo beginnen? Vor allem muss man immer wieder betonen, dass Medienkompetenz nicht nur ein Thema für Kinder und Schüler ist. Gerade haben das wieder Guttenbergs Doktorväter bestätigt, wenn auch unfreiwillig:

Zudem war die Erkennung von Plagiaten 2006 mit den seinerzeit vorhandenen technischen Mitteln kaum möglich. Plagiatsoftware sowie auch andere Methoden waren damals keineswegs so weit entwickelt wie heute. Selbst Google wies noch nicht die fein justierte Suchmethode wie heute auf.

Einen Nachholbedarf in Sachen Medienkompetenz haben nicht nur (Hochschul-) Lehrer sondern auch Unternehmer und Politiker. Denn ohne einen gewissen Grad an Medienkompetenz und Medienaffinität kann man an entscheidender Stelle die Möglichkeiten der Vernetzung und ihre Folgen nicht abschätzen. Und so etwas führt dann häufig zu unschönen Entscheidungen.

[via netzpolitik.org]

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Kommentare

Hallo Tim,

laut meinen Erfahrungen in der Hochschule (und auch anderswo) ist das ne ganz typische Aussage für Juristen. Wenn es eine akademische Gruppe gibt, die besonders wenig Medienkompetenz besitzt, dann sind es Juristen. Anders kann man sich auch nicht die Ansätze der VDS, die Urheberrechtsnovelle und das Datenschutzes erklären. Da besonders viele Politiker Juristen sind, erklärt das vieles. Such mal im Bundestag einen Medieninformatiker...viel Glück.

Gruss aus dem Norden
Andreas

Ich hoffe, dass wir doch ein wenig bewegen können. Wenn nicht, wäre es einfach fatal.

Ich hab eher den Eindruck, dass die Hälfte aller Twitter-Accounts Rechtsanwälten gehören. Es gibt außerhalb der Web-Branche, keine andere Berufsgruppe, die so oft bloggt.

Guttenbergs Dissertation ist einfach genau in das Zeitfenster gefallen, in dem Copy&Paste schon leicht möglich war, weil es schon viele Inhalte online gab. Gleichzeitig war das Phänomen aber noch nicht so bekannt - entsprechend wurde auf Plagiate kontrolliert, wie das seit bestehen der Universitäten gemacht wurde. Ich kann da keine besondere Rückständigkeit erkennen. Ich finde es auch nicht gut, routinemäßig alle Studierendenarbeiten zu überprüfen. Zumindest kann man das nicht gut finden, wenn man gleichzeitig gegen das scannen von Autokennzeichen und die Vorratsdatenspeicherung ist. Auch in der Uni gilt ein Vertrauensvorschuß - zumal zwischen Lehrender und Lernendem.

Es geht mir hier gar nicht um eine Be- oder Verurteilung der Professoren im Rahmen der Doktorarbeit, sondern einfach um deren Unkenntniss über die technischen Möglichkeiten, also um ihre Medienkompetenz. Selbstverständlich gab es schon vor 2006 Plagiaterkennungsssoftware, selbstverständlich wurde diese auch schon vor 2006 an verschiedenen (deutschen) Universitäten eingesetzt. Aber das wichtigste: selbstverständlich konnte man Google auch im Jahre 2006 vortrefflich dazu verwenden, Plagiate zu erkennen.

Es ist darum ein wunderbar plakatives Beispiel über die Notwendigkeit eines gewissen Grades an Medienkompetenz auch auf Entscheidungsebene.

Kur zu zu Copy&Paste: Sachen kopiert haben Leute ja nun schon seit Jahrtausenden. Das Wort Plagiat ist ja nun schon aus der Antike (https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Plagiat#Geschichte). Seit dem Zeitpunkt ist as also ein Begriff. jetzt so zu tun, als sei sowas vor 2006 unbekannt ist doch lächerlich. Das ganze hat noch auch rein gar nichts mit Internet und Computern zutun. Klar vereinfachen die das. Aber nicht im wesentlichen.

Zur Medienkompetenz: Ich bin mir nicht sicher, ob es sowas überhaupt klar abgrenzbar gibt. Medienkompetenz umfasst ja verschiedene Aspekte. Da ist ja zum einen die Gewohnheit. Viele gehören zu der Generation, die noch bewusst miterlebt hatte, wie man plötzlich allways on sein konnte. Kommende Generationen werden nur dies kennen. Ich gehöre zudem zu der Generation, die noch mit einem Schwarzweiss-Fernseher und 3 Programmen aufwuchs. Die jüngeren kennen das schon nicht mehr. Diese Erfahrung ist nicht erlernbar. Die Generation meiner Eltern kennt noch Wochenschauen im Kino. Erfahrung und Lebenserfahrung ist nicht erlern- oder kopierbar. Macht aber auch einen Teil von Medienkompetenz aus.

Eine gewisse Generation bedeutet zum einen, dass man bestimmte Erfahrungen des Wandels schin gemacht hat und daher Neuem skeptischer gegenüber steht. Das kann sowohl positiv wie negativ sein. Aber auch so manche Ältere stürzen sich in neue Techniken. Denken jeder braucht ein iPhone, whatever....

Ich denke man muss die Phänomene eher trennen und auf bestimmte Bereiche beschränken. Medienkompetenz ist ein Sammelbegriff mit dem man nicht wirklich gut arbeiten kann. Er suggeriert das der gute Umgang mit Medien erlern- und vermittelbar sei. Das trifft zum Teil zu - wir können Erfahrungen teilen und es sind manche Dinge auch in der Pädagogik vermittelbar. Allerdings scheint es auch so, dass nicht nur damals in meiner Schulzeit, sondern auch heute noch die Lehrer bei Medien, insbesondere bei Computer, Internet und Handys dem Schülenrwissen hinterherlaufen. D.h. zum Teil sind die Schüler kompetenter als die Lehrer. Die Rollenverteilung ist aber umgekehrt.

Und zum weiteren Umgang mit Medien fällt mir noch ein, dass ich höre, dass viele Arbeiten heute nachwievor nur in Papierform abgegeben werden. Früher mussten Studenten für einen Uni-Email-Account die Unterschriften von drei Professoren haben. Heute wird das Nutzen so eines Accounts vorausgesetzt. Die Politik der Uni hat sich an vielen Ecken um 180 Grad verkehrt. Was verboten war ist heute Pflicht und umgekehrt. Was nachwievor der Fall ist, ist dass es wenig Wahlfreiheit gibt. Als Dozent würde ich von meinen Studenten immer eine Arbeit sowohl gedruckt als auch digital anfordern. Und ich verstehe nicht, warum die EU nicht gemeinsam eine Software entwickelt lässt um Arbeiten nach Plagiatsstelle zu duchsuchen. Kann doch nicht so teuer sein. Die Nutzung dann natürlich kostenlos z.B. als Website. Was solls kosten? 300-400 Millioen wären immer noch ein Pups bei den Forschungsausgaben. So teuer müsste das Tier nicht sein. Stattdessen wurschtelt jedes Institut und jeder Professor so selbst vor sich hin, unvernetzt und amateurhaft. Ds ist ein technologisches Problem, keine Frage der Medienkompetenz.

Das hatte ich letztens auch einmal geschrieben: Äußerungen wie die Rede von der Copy & Paste-Generation vermitteln implizit die Überzeugung, dass Plagiate ein ausschließliches Phänomen des Informationszeitalters seien.

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