Social Software dezentral

Logo Friendika Warum sollte man Facebook eigentlich nicht nutzen? Also abgesehen von den Problemen mit der Privacy und dem Abtreten von Verwertungrechten? Eine dumme Frage, denn schließlich scheint die ganze Welt über Facebook zu kommunizieren, alle sind sie dort. Oder auch nicht, Facebook hat zwar rund 750 Mio. Nutzer, aber das ganze, große World Wide Webs ist dann doch nicht verwaist. Web ohne Facebook würde vielleicht noch gehen, aber Facebook ohne (offenes) Web?

Facebook ist, wie so viele andere Social Networks, ein Walled Garden, ein geschlosssenes System. Um auf die Inhalte des Netzes im Netz zugreifen zu können, muss man sich ein Nutzerkonto zulegen. Kommunikation ist auf Facebook dann einfach, aber eben nur zwischen den Mitgliedern dort. In Anlogie zur E-Mail würde das bedeuten, dass man E-Mails nur an Ansprechpartner schicken könnte, die beim gleichen Provider sind. Also von Web.de-Kunde zu Web.de-Kunde, von Yahoo-Kunde zu Yahoo-Kunde, aber nicht vom Web.de-Kunden zum Yahoo-Kunden. Kaum vorstellbar, aber so etwas hat es tatsächlich gegeben. Zum Glück gab es da aber schon längst die offenen Mail-Protokolle, die definierten, wie Mails zwischen verschiedenen Providern ausgetauscht werden können. Jeder Internet Service Provider, der etwas auf sich hielt, stellte darum eigene Mailserver zur Verfügung, über die die Menschen sich weltweit austauschen konnten. Das ist auch heute noch der Fall, während Provider mit geschlossenen Mailsystemen wie Compuserve und AOL längst Geschichte sind.

Auch bei den Social Networks wäre es schön, wenn man ähnlich wie bei der E-Mail beliebige Social Networks nutzen könnte, die offen zu allen Seiten sind und sich untereinander austauschen würden. Im Gegensatz zur Mail gibt es aber bisher keine spezifizierten Protokolle, die einen solchen Datenaustausch in der gesamten Breite abdecken würden:

  • OStatus beschreibt, wie verschiedene Microblogging-Sites Daten miteinander austauschen könnten. Das funktioniert zum Beispiel mit Status.Net-Installation wie status.tschlotfeldt.de ganz gut, allerdings fehlt noch ein ausgeklügeltes Rechtemanagement.
  • Die Diaspora-Macher sind mit großem Medienrummel als offene Facebook-Alternative angetreten, haben aber bisher nicht das Protokoll spezifiziert, über das die dezentralen Diaspora-Installationen die User-Kommunikation abbilden.
  • Sehr vielversprechensten scheint derzeit Friendika zu sein. Die Software-Macher haben richtiger Weise ein Protokoll spezifiert (DRFN und dessen Nachfolger Zot!), das von anderen Softwareenwicklern implementiert werden kann.

Friendika lässt sich überraschend einfach installieren und bietet schon die grundlegenden Funktionen eines Social Networks. Auf dir.friendika.com werden auch schon eine ganze Reihe von Friendika-Installationen aufgelistet, bei denen man sich als Nutzer registrieren kann. Oder man installiert sich Friendika gleich auf seinem eigenen Server.

Bei Wikipedia weiterlesen: Distributed social network.

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