Lebenslanges Lernen: Gelernt ist eben nicht gelernt

In Die Zeit vom 26.01.2006 findet sich im Wirtschaftsteil ein schöner Artikel über den Stellenwert von Weiterbildung und lebenslangem Lernen. Er zeigt schön einen Aspekt der praktischen Probleme des lebenslangen Lernens auf. Mit Recht wird da unter anderem kritisiert, dass wir hierzulande immer noch der Vorstellung nachhängen, dass mit einer anfänglichen Ausbildung das Arbeitsleben abgesichert hat. Hinzu kommt, dass man als Mitarbeiter automatisch mehr Lohn erhält, je älter man wird und je länger man sich im Unternehmen befindet – relativ unabhängig davon, wie sehr man sich darum bemüht, sein Wissen aufzufrischen. Da ist die Bereitschaft, sich mit was neuem zu befassen, natürlich nicht herausragen.

Einer der Gründe dafür sei das deutsche Arbeitsrecht, sagt Klaus Schömann, Soziologieprofessor an der International University Bremen: »Für viele Festangestellte steigt in Deutschland die Sicherheit mit dem Lebensalter, und da erscheint es nicht so dringend, in die eigenen Fertigkeiten zu investieren.« In Ländern wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Dänemark gebe es diesen starken Schutz nicht. Ausgaben für die employability, die eigene Beschäftigungsfähigkeit, sind deshalb lohnender. Hierzulande wird erwartet, dass der Arbeitgeber oder der Staat für die berufliche Bildung zahlt. »Von erfolgreicher Weiterbildung profitieren Arbeitnehmer, Unternehmen und der Staat – also müssen auch alle einen Beitrag leisten«, sagt Schömann. Der Staat müsse für ältere Bildungswillige mehr Kredite anbieten.

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Kommentare

Hallo Tim,

ich stimme dem, was Du in dem Artikel geschrieben hast, im Großen und Ganzen zu. Auch den Aussagen des Soziologie-Professors. Dennoch hat für mich das ganze ein "Gschmäckle", wie wir in Oberschwaben sagen (=einen schalen Beigeschmack). Ich finde es immer putzig, wenn ausgerechnet ein Hochschulprofessor in gesichertem Beamtenverhältnis das geltende Arbeitsrecht kritisiert. "Mit vollen Hosen ist gut stinken", hat mein Chef in Uetersen damals solche Äußerungen immer kommentiert.
Als Freiberufler finanziere ich meine Weiterbildung ausschließlich selbst: Seminare, Besuch von Tagungen usw. Das ist nicht wenig und auch in Ordnung so. Aber die Ratschläge von Leute aus bestimmten Ecken nerven mich dann doch, selbst wenn ich sie richtig finde.

Viele Grüße in den Norden
Stephan

BTW: Falls ich mich mit dem Beamtenverhältnis geirrt habe, entschuldige ich mich natürlich in aller Form.

Moin Stefan,

Geschmäckle ist ein sehr schöner Begriff, den sogar ich als Norddeutscher gerne bei passender Gelegenheit anbringe ;-)

Mit dem was du schreibst, magst du gar nicht mal so unrecht haben. Und es gibt auch noch viele andere Bereiche, aus denen Widerstände kommen oder die einem wie auch immer geartetem Konzept des lebenslangen Lernens zuwiderstehen. Dennoch sollte man anfangen, die wichtisten Probleme zu benennen. Natürlich lässt sich soetwas dann von der "anderen " Seite (z.B. den Arbeitgebern) wunderbar insrumentalisieren. Aber das ist dann ein anderer Aspekt, nämlich inwiefern der common sense, der Blick aufs Ganze, den hierzulande agierenden Interessensgruppen abhanden gekommen ist.

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