Information Worker 2006

Früher, als ich noch Student war, habe ich gerne anderen Leuten bei Ihren Computerproblemen geholfen. Bis eines Tages dann der Bekannte eines Bekannten eines Freundes morgens vor meiner Tür stand, seinerseits Selbständiger und mit einem penetranten Computerproblem geschlagen. Der gute Mensch hatte gleich seinen Computer mitgebracht und wollte ihn in meiner Studentenbude aufbauen, damit ich mir das »mal eben« ansehen. Er wollt mir sogar 50 Mark dafür zahlen. An jenem Tag war dann erst mal Schluss mit meiner uneingeschränkten Menschenfreude.

1998 hatte ich mich dann mit Tux, dem Linux-Maskottchen angefreundet. Seit dem Zeitpunkt bin ich eigentlich nur noch blutiger Laie, was Windows-Installation angeht. Berufsbedingt habe ich auch gar nicht mehr die Zeit, anderen Leuten bei deren Rechnerproblemen zu helfen. Aber ab und zu helfe ich gerne Freunden oder in der Verwandschaft aus.

So auch wieder letztes Wochenende. Eine Familie, liebe Freunde, hatten sich einen neuen Computer gekauft. Die Familie, das sind stolze Eltern mit ihren vier Kindern, darunter eine just mit 2. Staatsexemanen besiegelte Juristin und eine angehende Tiermedizinerin. Diese gebildeten Menschen sahen sich außerstande, einen neuen Rechner so mit Software zu bestücken und zu konfigurieren, dass sie mit dem Computer arbeiten können.

Warum ich das erzähle? Nun, manchmal sind es diese kleinen Erfahrungen, die für den notwendigen Realitätsabgleich sorgen, wenn z.B. mal wieder von nebulösen Dingen wie dem »Information Worker« oder der Zukunft der Bildung die Rede ist.

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Kommentare

... Arbeitswelt (zumindest in Deutschland) ist das in vielen Stellenausschreibungen und -gesuchen lesbare Sätzlein: "gute MS-Office-Kenntnisse erforderlich/vorhanden". Auch beliebt sind "gute Recherche-Kenntnisse". Ich arbeite seit Jahren in Abteilungen mit Akademikeranteilen weit über 90% - und diese Jungs und Mädels bringen es einfach nicht.

Die im Regelfall nur schwach vorhandenen EDV-Kenntnisse paaren sich oft mit einer nur bedingt tauglichen Medien- und Informationskompetenz. Informationskompetenz meint in diesem Fall sowohl Beschaffungskenntnisse als auch die Risikoabsicherungskomponente.

Diese in diesem Punkt schwach ausgebildeten Leute bilden auch betriebswirtschaftlich ein permanentes Fehlerrisiko für informationsgetriebene Prozesse. Wenn man bedenkt, daß solche Leute Projekte durchführen, bei denen es um Milliarden-Werte geht, wurde/wird mir immer ganz anders. Wie oft ich solchen Leute schon den Ar*** gerettet habe, ist mir irgendwann entfallen.

Der Information Worker sitzt eigentlich schon in jedem Büro, er und seine Chefs haben bloß noch nicht begriffen, worauf es wirklich ankommt. Leider wird ja in Deutschland eher auf die Funktion, auf die Position gestarrt, und nicht auf die Qualifikation, die damit einhergehen sollte. Und so dödeln die angeblich qualifizierten auf ihren ach so tollen Profi-Windows-PCs vor sich hin und wissen eigentlich doch gar nicht, wie es wirklich schnell, einfach und vor allem richtig geht.

Sorry Germany, Du bist einfach noch nicht reif dafür.

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Disclaimer: Meine Ausführungen bezogen sich auf die breite Schicht der akademischen Universal-Dilletanten, nicht auf echte Spezialisten.

Macsico,

du gehst aber hart ins Gericht ("Diese Jungs und Mädels bringen es einfach nicht"). Sind das Erfahrungen aus einer oder gar aus mehreren Organisationen)?

... Immobilienbranche da besonders "geschädigt" bin. Ja, die Erfahrungen stammen aus mehreren Organisationen, meine Spannweite reicht von internationalen Top-Häusern runter bis in den deutschen Mittelstand.

Es ist einfach bezeichnend, wenn Kollegen sich für bestimmte Tätigkeiten auffällig lange hinter dem Bildschirm herumdrücken, um dann endlich mit ner Frage in meine Richtung zu kommen. Und dann erkläre ich es, und plötzlich ist nicht nur der Schritt klar, sondern sogar der Hintergrund, damit man es beim nächsten Mal selbst machen kann.

Zuviele Defizite in zuvielen Firmen ...

Früher habe ich auch immer gut und der Welt bei ihren Computerproblemen geholfen. Bis mir aufgefallen ist, dass die meisten mich einfach immer nur aus nutzen. Ich habe nämlich meisten nie Geld für meine Hilfe genommen. Und so hat sich das schnell herum gesprochen und jeder wollte eine billige Lösung für seine Probleme. Aber ab dann hab ich gesagt ich höre auf. Jetzt helfe ich nur noch guten Freunden.

Gruß
Stefan

Ich bin auch der Meinung, das Germany noch nicht so weit ist, aber man sollte trotzdem die Kirche im Dorf lassen, jeder so wie er kann oderr??

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