Kämpfe um die Ressourcen der Wissensgesellschaft: Broadcasting Treaty und Web 2.0

Die Vertragskonferenz zum WIPO Broadcasing Treaty, über das ich hier schon berichtet hatte, ist nun laut Heise Online für November 2007 geplant. Mit dem Abkommen sollen Rundfunkunternehmen vor der sogenannten »Signalpiraterie« geschützt werden. Ursprünglich ging es wohl darum, die Senderechte und -lizenzen international zu regeln. Im Laufe der Zeit haben sich dann meiner Meinung nach verschiedene Interessensgruppen so stark bemerkbar gemacht, dass schon von einem »zweiten Urheberrecht« die Rede ist: Wenn einmal etwas von einem Rundfunkunternehmen gesendet worden ist, dann hat dieses Unternehmen für 20 Jahre die alleinigen Rechte daran, unabhängig vom eigentlichen Urheberrecht. So der derzeitige Entwurfsstand. Damit sind z.B. auch private Fernsehaufnahmen illegal. Unter einer freien Lizenz gestellte Inhalte »gehören« nach einer Sendung ganz plötzlich für 20 Jahre dem Rundfunkunternehmen, dank Broadcasting Treaty. Übrigens: Was ein Rundfunkunternehmen ist, wird sich noch zeigen. Klar ist, dass Net- und Webcasts in irgendeiner Form mit eingeschlossen werden.

Spannend

Ich finde die Entwicklung ja spannend. Man kann das nämlich auch so interpretieren: Nachdem das Internet dank neuer, zum Nachteil der Nutzer verabschiedeter Urheberrechtsbestimmungen zu einem juristischen Minenfeld geworden ist, haben die Nutzer schnell gelernt, dass man die Medienindustrie eigentlich gar nicht benötigt. »User Generated Content«, wir machen unsere eigenen Inhalte. Das ist Web 2.0 und das kommt weitgehend ohne klassische Medienverwerter aus. Keine Medienindustrie, Punkt. Darüber hinaus veröffentlichen Musikgruppen ihre Songs über das Internet selbst, Autoren verkaufen ihre Bücher online in Eigenregie. Kein Plattenlabel, kein Verlag und keine Agentur verdient daran mit. Keine Medium berichtet so schnell und so ausführlich wie das Web 2.0 mit seinen Weblogs, Wikis, Communities. Und was ist die drohende Quittung: Ein internationales Abkommen zu Senderechten, das in der zur Zeit vorliegenden Form quasi eine Enteignung der Urheber vorsieht. Denn, ich wiederhole mich, sobald ein Sender etwas über den Äther geschickt hat, erhält das Rundfunkunternehmen für 20 Jahre die alleinigen Rechte daran.

Okay, okay. Das WIPO Broadcasting Trity ist gar keine direkte Antwort auf das Web 2.0. Dennoch, die zeitliche Abfolge ist schon beängstigend.

Passend zum Thema findet sich heute bei Telepolis ein aufschlussreicher Artikel zum Thema »Geistiges Eigentum« mit der Erkenntnis, dass es hier gar nicht um die Interessen der Urheber geht sondern um die der Rechteverwerter.

Weiterlesen:

Kommentare

Hallo Tim Schlotfeld,

sorry, dass ich erst jetzt hier darauf aufmerksam mache, aber ich denke das passt zumindest genau hier hin, unter Deinen Artikel.

Thomas Wanhoff, seines Zeichens einer der eifrigsten Kämpfer und Vorkämpfer des Podcasting in Deutschland ruft auf seinem Weblog, sowie auf den Seiten des Podcastverbandes zu einer Petition gegen diese Treaty auf, die von allen europäischen Podcasting-Verbänden eben bei besagter gemeldeter Konferenz vorgebracht werden sollen.
Näheres unter:
http://weblog.wanhoff.de/?p=482

Bis denne
Andreas Auwärter

PS.: Man weis beim http://www.podcastverband.de/ auch mehr zu berichten, bzw. ziemlich genau zu sagen, worum es geht. Und weil es irgendwie nie zu spät ist, könnte man das auch weiter geben.

Moin Andreas,

vielen Dank für deinen Hinweis, mir war die Petition bisher entgangen.

Schauen wir mal, wie sich das entwickeln wird. Je mehr diese Bestrebungen öffentlich diskutiert werden desto größer wird die Chance, dass auch die Belange der Nutzer – der Bevölkerung – berücksichtigt werden.

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