Zeitgemäße Konzepte für Kongresse, Tagungen und ähnlichen Großveranstaltungen

Nach der diesjährigen GMW-Tagung kam z.B. bei Mandy Schiefner die Frage auf, wie man eine Tagung verbessern könnte. Ich hatte dazu einen kurzen Kommentar geschrieben, der aber noch ein wenig ausgebaut gehört.

Welchen Zweck soll eine Tagung wie die der GMW – der Gesellschaft für Medien in den Wissenschaften – eigentlich haben? Ursprünglich diente so eine Veranstaltung ja dem Wissensaustausch. Aber heute? Wir sind vernetzt, einige GMW-Mitglieder sind Bildungsblogger, es besteht ein ständiger Austausch und Bewertungen (!) von Informationen, Ideen, Erfahrungsberichten innerhalb der Bildungsszene, der Community. Wenn also nicht bewusst Informationen zurückgehalten werden, wird man heutezutage auf einem Kongress oder einer Tagung keine echten Neuigkeiten erfahren. Das steht schon alles irgendwo im Netz geschrieben.

Aber eine solche Veranstaltung ist nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil haben wir nun die Möglichkeit, eine ganz neue Qualität von solchen Zusammentreffen zu erreichen. Das ist verblüffender Weise ähnlich wie mit den Blended Learning-Konzepten: In der Präsenzphase kann man sich im Idealfall ganz aufs Coaching konzentrieren, die Lerner probieren das vorher online vermittelte Wissen aus und sammeln gegenseitig Erfahrungen. Der »Lehrer« ist kein Lehrer mehr sondern ein Coach und Moderator, der über die Schulter guckt, Tipps gibt und der Präsenzphase eine Struktur verleiht.

Einen ähnlichen Ablauf wünsche ich mir für Tagungen und Kongresse. Neueste Forschungsergebnisse werden im Vorfeld publiziert, während der Veranstaltung untersucht man dadagegen zum Beispiel Tragweite oder Auswirkungen der Ergebnisse. Oder man setzt sich zum Ziel, mit dem versammelten Sachverstand einen neuen Ansatz auszuarbeiten, ein drängendes Problem zu lösen oder aber die bisher noch nicht genau überprüften Forschungserkenntisse zu validieren.

Für diese Form von Veranstaltungen gibt es didaktische Konzepte. Open Space wird dabei an erster Stelle genannt. Open Space ist ein sehr schönes Konzept, wenn es darum geht, ohne vorgegebene Agenda neue Ideen zu entwickeln. Man geht in eine Veranstaltung ohne zu wissen, mit welchen Themen man sich beschäftigen kann und wird.

Gerade wird bei Wikipedia stark am Eintrag zu Open Space gewerkelt und Eberhad Schnelle gewürdigt. Eberhard Schnelle ist der Erfinder der Moderationsmethode mit dem wesentlichen Aspekt eines demokratischen, hierarchielosen zusammenarbeitens. Eberhard Schnelle hat noch einige weitere einflussreiche Konzepte entwickelt, unter anderem das Unternehmenstheater und, in diesem Zusammenhang interessant, die Werkstatt des Wandels. Dafür entwickelte er ein Konzept einer Art Großveranstaltungsmoderation. Im Gegensatz zu Open Space wird im Vorfeld festgelgt, mit welchen Themen man sich beschfäftigen will. Jedes Thema wird von einem Experten, einem Fachmann, gemeinsam mit einem professionellen Moderator geplant und vorbereitet. Zu Beginn der eigentlichen Veranstaltung präsentieren die Experten »ihre« Themen und versuchen, wie auf einem Marktplatz, die Teilnehmer dafür zu begeistern. Wie bei Open Space werden die einzelnen Themen in kleinen Gruppen bearbeitet. Der Unterschied ist hier die professionelle Begleitung durch einen Moderator und der Einsatz der Moderationsmethode.

Beide Konzepte schaffen es, eine ungeahnte Dynamik in Veranstaltungen hineinzubringen. Eberhard Schnelles Ansatz der Werkstatt des Wandels eignet sich besonders dann, wenn die zu bearbeitenden Themen vorher bekannt sind. Open Space dagegen hat seine Vorteile, wenn es darum geht Themen zu finden. Ob Open Space oder Werkstatt des Wandels, die Ergebnisse, die man mit so einer Veranstaltung erzielen kann, sind im Vergleich zu konventionellen Großveranstaltungen fast schon großartig zu nennen.

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