Geschäftsmodell für Open Source im Bildungsbereich?

ELGG als Businessmodell ist gescheitert. Dave Tosh, der hinter dem ELGG-Projekt steht, hat dieses Scheitern in einem (leider nicht öffentlichen) Beitrag beschrieben. Natürlich ist Dave enttäuscht und sucht nach Gründen. Einen dieser Gründe sieht er in Open Source:

Having worked on a true open source project for more than three years I am now more convinced than ever that the open source model does not work.

Vieles von dem, was Dave Tosh geschrieben hat, wird von Stephen Downes entkräftet. Aber natürlich hat auch Stephen kein Patentrezept parat, wie man ein erfolgreiches Geschäftsmodell auf Open Source gründen kann. Aber es gibt auf der Welt auch nur ganz wenige Menschen, die ein Patentrezept für Geschäftsmodelle irgend einer Art haben.

Das Schöne an Open Source ist, dass uns wunderbare Werkzeuge an die Hand gegeben worden sind, die ständig weiterentwickelt werden und die wir unseren ganz eigenen Bedürfnissen anpassen können. Open Source an sich bringt keine Softwareprodukte hervor (okay es gibt Ausnahmen wie MySQL, die eine Dual-Lizenz anbieten). Open Source ruft dafür einen Beratungsbedarf hervor, denn natürlich möchten z.B. Unternehmen die Open Source-Anwendungen ihren ganz eigenen Bedürfnissen anpassen. Und dafür holt man sich dann Spezialisten ins Haus. Auch hier verdient z.B. MySQL viel Geld, indem sie nämlich die Unternehmen dieser Welt beim Aufbau ihrer Datenbankanwendungen unterstützen.

Kommen wir jetzt mal zum Bildungsbereich, in dem ELGG sich ja bewegt. Das ist immer noch ein sehr kleiner Markt, der starkt institutionalisiert ist. Den Bildungseinreichtungen kann man hierzulande beispielsweise nicht einfach eine Learning Community anbieten. Nicht mal ein Learnprogramm. Solche Änderungen geben die vorherrschenden Sturkturen gar nicht her.

Generell tut man sich in Schulen und Hochschulen mit gewinnorientierten Unternehmen sehr schwer. Ein weiteres Manko besteht darin, dass viele Projekte auf Grund des Vorhandenseins von Fördermitteln entstehen. Diese Fördergelder bewegen sich in der Regel nur innerhalb den bekannten Akteuren (da möchte ich doch mal zu einem Rant von Nico Lumma verweisen, der nur wenig mit Bildung aber viel mit Förderpolitik zu tun hat: Subventioniertes Leuchtturmprojekt mit 90% Eisberg). Da wird viel Energie gebunden und die Notwendikgeit, später auch mit den Projektergebnissen arbeiten zu müssen ;-)

In den Unternehmen ist die Qualifizierung ebenfalls in enge Bahnen gebettet. In den 70-er Jahren fing man an, seine Mitarbeiter mit Trainings-Maßnahmen fortzubilden. Die so etablierten Strukturen sind ähnlich »standhaft« wie die im öffentlichen Bereich. Darum ist der Anteil von E-Learning in der betrieblichen Weiterbildung immer noch sehr gering.

Aber trotzdem denke ich, dass es Ansätze für Open Source-Geschäftsmodelle im Bildungsbereich gibt. Die sehe ich aber tatsächlich nicht im Bereich von Software. Statt dessen kann ich mir gut vorstellen, Konzepte und Drehbücher als Open Source freizugeben und gemeinschaftlich weiter zu entwickeln. Das eigentliche Geschäftsmodell kommt dann bei der Individualisierung zum Tragen. Eine Dual-Lizenz à la MySQL wäre ebenfalls denkbar. D.h. man entwickelt ein Konzept, Drehbuch oder WBT, dass allen zur Nutzung zur Verfügung steht. Wenn daraus allerdings ein neues Produkt gemacht wird, sind Lizenzen fällig.

Das sind so Gedanken, mit denen ich mich ab und zu beschäftige. Ich denke, man muss einfach mal einiges probieren um zu sehen, was erfolgsversprechend ist.

Weiterlesen:

Neuen Kommentar schreiben