Urheberrecht und Urheber

Im Blog Lernpfade habe ich gerade was aus einem einem Artikel von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung gelesen:

Das Urheberrecht, das den Urhebern einen Verdienst an ihren Werken sichern soll, zerbröselt im Internet, es wird zerrieben in Tauschbörsen, die ihre Namen schneller ändern als Chamäleons ihre Farben. (...)

Die Urheber werden immer als jene genannt, deren Rechte geschützt werden müssen. Das ist die von Verbänden, Legislative und den überwiegenden Teilen Presse dargestellte Position. Weniger häufig hört man dagegen die kritischen Stimmen:

Das Urheberrecht schützt vor allem eine Interessensgruppe: die Industrie

So Matthias Spielkamp in seinem Artikel »Im Namen des Schöpfers« in der aktuellen brand eins. Er zitiert dort unter anderem Reto Hilty, Direktor des Max-Planck-Instituts für Geistiges Eigentum:

Es gibt viele Bereiche, in denen das Urheberrecht weder die Interessen der Kreativen noch jene der Allgemeinheit ausreichend zu berücksichtigen vermag.

Dass zum Beispiel Verlage mit Urhebern derweil nicht immer zimperlich umgehen, zeigt der Beitrag »Hintergangene Autoren« von Theo Winterlich für Telepolis:

Freilich, nach wie vor haben Autoren das Recht, die Honorarabrechnungen zu überprüfen. Da aber nicht jeder sich einen Buchprüfer leisten kann (der hat selbstverständlich seine festen, opulenten Honorarsätze) und anderseits seinem Vertragspartner nicht gleich mit dem Anwalt auf den Pelz rücken will, bittet er zunächst einmal höflich um eine Abrechnung überhaupt, denn die kommt nicht selbstverständlich, und manche Titel verlieren sich sozusagen im Nichts – ohne Endabrechnung oder eine Ankündigung der Verramschung –, oder um eine revidierte Abrechnung, weil diese unglaubwürdige Angaben enthält. Es ist z.B. schwer nachzuvollziehen, weshalb Umsatzzahlen im Laufe der Zeit nicht steigen, sondern (angeblich) rückläufig sind.

Auf eine Antwort darf ein Autor nicht unbedingt hoffen. Selbst Anwälte erwirken eine Reaktion mitunter erst nach mehreren Mahnungen, einer Fristsetzung oder der Androhung eines Gerichtsverfahrens. Verlage setzen allem Anschein nach auf Schweigen und Aussitzen. Allzuviel Sitzfleisch braucht es da nicht, seit die Verjährungsfrist kürzlich auf drei(!) Jahre reduziert worden ist. Antworten, wenn sie kommen, zeugen oft von viel Phantasie: "Weil wir ein neues Honorarprogramm haben, wären Korrekturen alter Abrechnungen nur sehr schwer zu erstellen" (Econ/Ullstein/List 2002) – Abrechnungen, die gerade einmal ein Jahr zurücklagen. Ein anderes "Argument": infolge eines "Wasserschadens" könne der Verlag leider keine Unterlagen mit Verkaufszahlen mehr beibringen.

Dass hinter solchen Auskünften möglicherweise System steckt, wird man annehmen dürfen, nachdem man folgende Ankündigung eines Seminars im Börsenblatt (Nr. 78, vom 1.10, 2002) gelesen hat:

Haben Sie Abwehrstrategien gegen zusätzliche Honoraransprüche? Wie vermeiden Sie lästige Auskunftsansprüche? In welchem Umfang entsprechen Sie den Rechnungs-legungspflichten?... Das Seminar beantwortet alle für Verlage relevanten Fragen auf neuestem Stand. Sie erhalten praktische Hinweise und Gestaltungsvorschläge. Referent: Dr. Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

P.S.: Aus eigener leidlicher Erfahrung kann ich nicht mit Gewissheit sagen, dass ich mich mit diesen hier verwendeten Zitaten noch im Rahmen der Urheberrechtssprechung bewege. Das Gesetzt räumt mir zwar die Möglichkeit des Zitats ein, solange ich mich mit dem zitierten Text in diesem Beitrag angemessen beschäftige. Es bleibt aber den Gerichten überlassen, zu entscheiden, ob die Zitate sich »im Rahmen des Gesetzes« bewegen. Und die Gerichte haben in den letzten Jahren eher für den Schutz der Rechte-Inhaber (also der Industrie) entschieden.

E-Learning-Blog: 

Neuen Kommentar schreiben