Web 2.0 und Journalismus

Manche "Qualitiäts"-Journalisten offenbaren in Ihren Artikeln zu Web 2.0 und die neue Netzöffentlichkeit ziemlich ... mmh, interessante Details über ihr Seelenleben. Nehmen wir mal Johannes Boie, der heute im tagesspiegel über re:publica berichtet.

Vor zwei Jahren, als der Hype um Weblogs "über die Medienwelt hereinbrach", begann das Bild des Journalisten zu bröckeln. Da ist es dann ganz gut für den eigenen Seelenfriedern, wenn man mal ein bißchen von einer erforderlichen "erzwungenen Professionalisierung" schreibt; wo kämen wir schließlich hin, wenn da jeder einfach drauflos schreiben würde. Demokratie ist zwar nett, aber bitte nicht in der medialen Wirklichkeit, da gehören nur Profis wie Johannes Boie hin, die uns Lesern dann die Welt erklären. Und so schreibt Boie über das Blogger-Treffen re:publica, dass dort "der Traum vom demokratischen Massenmedium weitergeträumt" wird. Aber im Herzen Ihrer Seelen sehnen sich die Spinner nach mehr Führung und weniger Freiheit. Sie wissen es nur noch nicht, und darum muss man als verantwortungsvoller Qualitätsjhournalist auch schonmal Zitate richtigstellen. "Im Internet
müsste man viel mehr gesetzlich regeln
" wird dann Markus Beckendahl von netzpolitik.org interpretiert.

Im Grunde sind die ganzen Blogger ein ziemlich undemokratischer Sauhaufen, die sich in A- , B- und C-Blogger einteilen. Da kann man doch gleich bei Boie und seinen Kollegen bleiben und derem geschätzten Urteil vertrauen.

Weiterlesen: Gegendarstellung.

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Kommentare

Auf dem BlogCampSwitzerland gab es zum Thema Journalismus und Blogging einen interessanten Beitrag von Jürg Vollmer: "Machen Blogger die Journalisten überflüssig?" (http://tinylink.com/?6CHbTSLdjw)
Im Übrigen lecken nicht nur die Journalisten derzeit ihre Wunden. Auch die Grafiker beispielsweise sind von der Medienentwicklung betroffen. Mir gegenüber klagte einmal ein solcher, die Software sei mittlerweile so gut, dass auch ahnungslose Mitbürger "vernünftige" Ergebnisse erzielen könnten.
Jürg wies in seinem Vortrag mir Recht darauf hin, dass man zwischen Blogs und Blogs mit journalistischem Anspruch unterscheiden solle um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Jürg wies in seinem Vortrag mir Recht darauf hin, dass man zwischen Blogs und Blogs mit journalistischem Anspruch unterscheiden solle um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

So in etwa klang das auf der re:publica auch durch. Ich glaube übrigens, wir nehmen manche Dinge viel zu ernst. Ein Grund, warum meines Erachtens Politik-Blogs in Deutschland nicht funktionieren. Mit Politik kann man sich nur "ernsthaft" befassen, ansonsten wird das nicht anerkannt und ist gleich unseriös. Damit werden politische Beiträge aber staubtrocken und quälen sich unendlich lang. "Ernsthafte" Beiträge müssen alle Aspekte beleuchten und möglichst alle Flügel zu Wort kommen lassen. Wenn mehr so wie fefe schreiben würden, gäbe es sicherlich eine Menge hitziger, aber auch spannender Diskussionen.

Zumindest liefert der Artikel im Tagesspiegel einen kritischen Blick auf das Thema. Diese Perspektive ist zur Zeit eher die Ausnahme. wahrscheinlich weil viele Journalisten im Bloggen ihre Zukunft sehen, und den Ast, auf dem sie sitzen bzw. auf den sie eines Tages klettern möchten, nicht absägen möchten. Vielmehr hat man als Leser der Printmedien das Gefühl, dass man zum Thema Blog zur Zeit gleichgeschaltet werden soll. Angst vor Blogs haben Journalisten nicht nötig, ergibt sich doch für sie ein weitere Betätigungsfeld, das sie problemlos nutzen können. Nur für die Verlage könnte es eng werden.

Naja, ausgerechnet dieser Artikel wirkte auf mich eher arg tendenziell als kritisch. Ich persönliche dachte an einigen Stellen, da verdreht aber jemand bewusst die Tatsachen. Keine Ahnung ob dem wirklich so war, allerdings offenbarte der Beitrag einiges über die Einstellung des Autors.

Diesmal Marco Stahlhuts in der Welt am Sonntag. Stefan Niggemeier schreibt:

Ich habe gezögert, das hier jetzt schon wieder aufzuschreiben, weil es immer ein bisschen so aussieht, als würde man sich als Blogger reflexartig über Journalisten empören, die kritisch über Blogger schreiben. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass ausgerechnet jene Journalisten, die sich den Bloggern in Anstand / Wissen / Glaubwürdigkeit / Recherchestärke für meilenweit überlegen halten, es regelmäßig nicht schaffen, fair oder wenigstens korrekt über Blogs zu berichten.

Ach, wer Stefan Niggemeier nicht kennt: der ist Journalist, schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und ist Mitbgründer des Bildblogs.

Weiterlesen bei Stefan Niggemeier: Die WamS, das Netz und die Gosse.

In den klassischen Medien wird über "Online" meistens recht merkwürdig berichtet. Da kommt man sich vor, als lese man etwas über einen anderen Stern. ich erinnere immer gerne an die FAZ nach dem Amoklauf in Erfurt - Was dort auf einer Seite unter dem Titel "Die Software zum Massenmord" versammelt war, glich einer Aufzählung der ältesten Vorurteile. Es waren so viele objektiv falsche Informationen enthalten, dass das Fazit einfach Quatsch war. Und wenn eine so große Zeitung bei so einfach zu recherchierenden Themen schon so daneben greift, sollte man die Leistung von durchschnittlichen Journalisten nicht überschätzen. Immerhin hat einen Zeitung immer den Druck, dass alle Seiten voll werden müssen - jeden Tag. Und wenn etwas Aktuelles ist - wie so ein Amoklauf - muss da einer etwas drüber schreiben, egal ob jemand in der Redaktion Ahnung vom Thema hat oder nicht.

Zeitungen, Fernsehen und vielleicht sogar Radio haben alle ihre Stärken. Blogs aber auch - und das sollten die klassischen Massenmedien lieber nicht übersehen.

Bei deinem Beitrag fällt mir gerade der Artikel von Martin Schoeb in der FAZ ein: Die Blogger-Elite in Berlin: So wird das nichts. Der ist mal zur Abwechslung nicht schlecht.

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