Das nächste Großprojekt mit erheblichem Gefahrenpotenzial

In bester Tradition staatlicher Software-Großprojekte wird hier sehenden Auges ein weiteres extrem kostenträchtiges Prestigeprojekt angegangen, dessen Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Risiken und absehbaren Problemen steht. Eine erste Sichtung der Daten deutet auf eine massive Kostenexplosion bei der Einführung der Gesundheitskarte und ein weiteres Technologie-Desaster hin.

Die Sicherheits- und Zuverlässigkeitsauslegung der Software-Architektur der elektronischen Gesundheitskarte genügen den Anforderungen an ein bundesweit ganztägig im Einsatz befindliches System in keiner Weise. Im Ernstfall droht ein Totalausfall des Systems zu kritischen Zeiten, wie z. B. im Fall einer Grippeepidemie.

Quelle: Pressemitteilung des Chaos Computer Clubs vom 24. November 2006.

TollCollect, Hackerparagraph, Vorratsdatenspeicherung. Urheberrechtsnovelle. Vorratsdatenspeicherung. Die Politik hatte sich bei diesen Themen recht beratungsresistent gezeigt. Und das nächste Desaster-Projekt steht schon in den Startlöchern: die Gesundheitskarte. Einen kurzweiligen, hochinteressanten und bisweilen bizarren Einblick erhält man mit der knapp dreistündigen Chaosradiosendung vom 26. Juli 2006. Sicherheitsexperte Thomas Maus berichtet von seinen Erfahrungen mit dem Projekt. Wer es lieber ingenieurgerecht in Spiegelstrich-Aufmachung konsumieren möchte, dem sei Thomas Maus' Vortragsfolien zum Thema ans Herz gelegt.

Heute hat Fefe (der Mann ist IT-Unternehmer und kein pickeliger Schüler) in seinem Blog darauf hingewiesen, dass das Backbone-System sehr wahrscheinlich ohne starke Verschlüsselung auskommen muss. Und dass die Haftungsfrage eventuell auf unschöne Art geklärt sein könnte. Damit keine Risiken für die Betreiber, aber große Risiken für die Karteninhaber: Datenschutz, Gesundheit, Kosten.

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