Google Knol: Wozu?

Screenshot Google Knol

Ich habe gerade ein Problem. Ich erkenne nicht den Mehrwert, den mir Google mit der Idee zu Knol geben will. Ich erkenne schon, dass Google ein weiteres cooles Werkzeug anbieten wird, mit dem das Online zur Verfügung stellen noch ein wenig leichter wird. Mit netten Verknüpfungen zu den ganzen anderen Google-Tools. Aber jetzt frage ich mich, welchen Grund ich haben sollte, auf Knol meine Inhalte zu erstellen und zu publizieren? Welchen Vorteil habe ich davon?

Knol ist mitnichten eine Wikipedia-Konkurrenz. Wikipedia lebt vom Wiki-Prinzip, und das bedeutet: Jeder ist eingeladen, seinen Input in die Beiträge mit einzugeben. Bei Knol dagegen geht es um den Autor: Für jeden einzelnen Artikel zeichnet sich ein Autor verantwortlich. Er schreibt ihn allein. Es ist möglich, das andere den Beitrag kommentieren und bewerten. Und es wird die Möglichkeit eines Peer-Reviews geboten.

Damit wird dann auch klar, welchen Nutzen dieser Dienst bringen kann: Eine Plattform für die eigene Eitelkeit, wie Frank Patalong auf Spiegel Online schreibt. Und vielleicht treibt Google damit einen ersten Pflock in den Claim der Wissenschaftspublikationen. Die tradierten Verlage meiden das partizipatorische Web wie der Teufel das Weihwasser und die Open-Access-Initiative dümpelt immer noch naher der Bedeutungslosigkeit. Der Drang zum Online-Publizieren ist aber vorhanden und genau dort könnte Google Knol seinen Erfolg finden.

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Kommentare

Ich habe da ein ähnliches Problem. Ich glaube das es gar nicht so sehr ein inhaltliches Projekt ist, sondern das es ganz simpel um Geld geht.

Suche heute:

1. Google Suche nach "DVD Player"
2. Suchergebnisse von verschiedensten Firmen und Wikipedia

Suche morgen

1. Google Suche nach "DVD Player"
2. Suchergebnis von Google mit Möglichkeit von Google dort Werbung zu platzieren oder die User anderweitig weiterzuleiten.
3. weitere Suchergebnisse

D.h. anstatt das Google Werbung vermittelt erzeugen sie weitere Werbefläche oder auch sie verlängern die Zeit auf denen Leute bei Google bleiben. Dabei wird jede Sekunde, die sie das schaffen Gold wert sein. Für jede Seite wird Google einen exakten Preis für platzierte Werbung nennen der wohl abhängig sein wird vom gegenwärtigen Traffic und anderen Faktoren. Für Werber bedeutet das das z.B. ein Pharmakonzern einen Werbeplatz auf der Seite "Migräne" bekommen kann auf dem 1. Suchtreffer der Suchmaschine Nr. 1 - um es deutlich zu sagen: Der teuerste Werbeplatz der Welt! Ich denke das da vermutlich nichts anderes als Geldinteressen hinterstecken. Ich denke nicht, das es dabei wesentlich ist, welche Qualität die Artikel haben. Anstelle der Autoren würde ich auf jeden Fall die höchsten Honorare für einen Artikel verlangen. Denn Google wird damit unendlich viel verdienen.

Ich habe ja eher daran gedacht, dass Google gegen die ganzen Spammer uns SEOs nicht mehr gegen an kommt. Mit einer Plattform, in der die User die Artikel laufend bewerten bekommst du natürlich auch einen sehr guten Ersatz für jene Suchalgorithmen, die die Bedeutung von Informationen herausfinden sollen.

Es ist übrigens nicht in allen wissenschaftlichen Bereichen so, dass OpenAccess rumdümpelt. In der Medizin soll es schon namhafte OA-Journals geben. Das Problem ist aber bei OpenAccess, dass das Schicksal der Idee von Professoren abhängt. Und die sind vielbeschäftigt und deswegen in allem konservativ, was nicht den Kern ihrer Arbeit betrifft: Veröffentlichungen in OpenAccess, im Internet aber auch neue Lehrmethoden, die über die Verwendung von Powerpoint statt Overhead-Projektor hinausgehen. "Unserer Inhalte sind unser ganzes Kapital, das könne wir doch nicht verschenken." War der Satz, den ich mal von einem Professor zu OpenAccess gehört habe. Das fand ich ein wenig merkwürdig. Denn das Kapital haben ihm die Steuerzahler bezahlt und die dürfen das dann noch ein zweites mal bezahlen, wenn sich die Bibliothek die Ergebnisse ins Regal stellen will und er bezahlt es doppelt und dreifach, wenn es auch noch digital recherchierbar sein soll. Und was ich bis dahin nicht wußte: Außer in einigen Geisteswissenschaften bezahlen die Wissenschaftler für Peer-Review und Veröffentlichung ne Menge Geld. Es ist also nicht so, dass die für Artikel bezahlt werden und damit das Budget ihres Instituts aufbessern.

Was Google mit Knol erreichen will, weiß ich auch nicht. Die meisten anderen Dienste von Google sind Tools, die man nutzen kann. Hier soll man wirklich die Inhalte selbst erstellen. Für Community Input ist sicher hinderlich, dass man damit tatsächlich für Google Inahlte erstellt, mit denen die dann Geld verdienen können. Ich denke, dass es bald Google Null statt Google Knol heissen wird ;-)

Moin Herr Voß,

das mit den Open Access-Journalen im Medizinbereich finde ich interessant. Ich habe gerade mal auf openaccess.net nachgesehen, die haben da für die verschiedensten Disziplinen Listen zusammengestellt: Open Access in der Medizin.

[...] Google’s Knol lässt sich noch wenig sagen. Den Ansatz über die Nennung von Autoren in Kombination mit Werbung halte ich für zum [...]

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