Open Source und Lernplattformen

Letzte Woche gab es einen schönen Blogeintrag bei Online by Nature: Roadmaps von Moodle, Sakai, OLAT und dem Rest. Vordergründig geht es um die nahe Zukunft der drei Open Source-Lernplattformen, aber eigentlich geht es generell um die Stärken des Open Source-Entwicklungsmodells.

Unsere Kunden haben überwiegend kommerzielle Learning Management Systeme (LMS) im Einsatz. Das liegt sicherlich daran, dass die LMSe zum Teil zu einer Zeit implementiert wurden, als es noch keine ernsthafen Open Source-Alternativen gegeben hat. Und natürlich bieten Unternehmenslösungen immer auch ein paar spezielle Funktionen, die ein solches Produkt attraktiv machen. Dennoch glaube ich, und zwar nicht nur als Open Source-Anhänger, dass sich auch im Bereich der Learning Management Systeme Open Source durchsetzen wird. Der E-Learning-Bereich ist nämlich geprägt von Standards wie SCORM, die eine gewisse Interoperabilität gewähren. Diese Interoperabilität zwischen verschiedenen Produkten und auch Herstellern ist zwingend erforderlich, da kein Anbieter dieser Welt sowohl Technik als auch beliebigen Content in Form von Web Based Traings anbieten kann. Alle Anbieter im Markt sind also auf Interoperabilität und damit Standardkonformität angewiesen. Und das wiederum ermöglicht »freie« Entwicklungen wie Sakai, Moodle, ILIAS und wie sie alle heißen.

Ein LMS ist Infrastruktur. Und wenn man sich mal das Internet ansieht, wird man feststellen, dass viel an Infrastruktur da draußen durch Open Source angetrieben wird. Die meisten Webserver dieser Erde sind LAMP-Lösungen: Linux, Apache, MySQL und PHP. Alles Open Source. Genauso sieht es im E-Mail-Bereich aus. Sicher wird unternehmensintern gerne ein Exchange- oder Notes-Server eingesetzt. Das sind aber proprietäre Lösungen, und sobald es ins Internet geht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine solider, aus dem Open Source-Lager stammender Mailserver dazwischengehängt, um die gebrechlichen Closed Source-Lösungen vor den Gefahren des Internets zu schützen.

Das es Open Source-Lösungen gibt, haben Dienstleister wie 1&1, GMX, Web.de, Strato usw. dankend angenommen. Einige haben dann damit angefangen, diese Open Source-Software zu nehmen und im stillen Kämmerlein zu erweitern. Das ist ja der Gedanke von Open Source: Source-Code ansehen und verändern können. Bei einem Closed-Source-Anbieter bezahlt man für so etwas eben diesen einen Anbieter. Bei einer Lernplattformimplementierung kommmen beispielsweise neben den reinen Lizenzkosten hohe Aufwände für die Integration in die eigene IT-Landschaft und die Informationsverarbeitungsprozesse hinzu. Und damit ist es nicht getan, mit jedem Release-Wechsel müssen die indiviudellen Anpassungen auch auf das neue Release angewendet werden...

Ein ähnliches Problem hatten übrigens auch jene Unternehmen, die Open Source-Software im stillen Kämmerlein für den eigenen Einsatz »optimiert« hatten. Es kann nämlich ziemlich aufwändig sein, mit dem Entwicklungstempo von Open Source-Projekten mithalten zu müssen. Irgendwann ist Ihre IT-Abteilung nur noch damit beschäftigt, die eigenen Anpassungen in die neuen Versionen reinzupatchen. Eine Arbeit, die nicht nur aufwändig ist sondern auch überhaupt keinen Spaß macht. Diese Form der Adaption von Source-Code funktioniert also nicht besonders gut, sie widerspricht auch dem Open Source-Gedanken. Die Idee hinter Open Source ist nämlich, dass ein jeder eingeladen ist, Veränderungen nicht nur selbst vorzunehmen sondern diese Veränderungen auch anderen wieder zur Verfügung zu stellen (so etwas wie ein vorweggenommenes Wiki-Prinzip ;-)). Damit die Welt von diesen Veränderungen ebenfalls profitieren kann. Dieses Open Source-Prinzip ist nun in der Regel für Unternehmen auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant. Wie eben beschrieben, ist es sehr aufwändig, sich im stillen Kämmerlein seine eigene, sehr spezielle Softwareversion zu halten. So etwas lohnt sich in der Regel nicht. Viele Unternehmen haben erkannt, dass es viel bequemer ist, sich in den Open Source-Entwicklungsprozess mit einzubringen. Ein Unternehmen benötigt in der Software eine spezielle Funktionalität? Dann wird einfach geschaut: Wie könnte diese Funktionalität auch für andere interessant sein? Man programmiert (oder lässt programmieren) also diese Funktionalität und lässt sie in das Projekt einfließen. Wenn der Programmcode den üblichen Qualitätsstandard entspricht und diese Funktion eine sinnvolle Bereicherung für das Projekt ist, wird diese Funktion angenommen werden und weiterhin gepflegt, ist damit Bestandteil der späteren Releases. Für Unternehmen bedeutet dies: 1) Das ständige Anpassen eigener Programmroutinen an neue Releases entfällt. 2) Mit der Zuarbeit nimmt man Einfluss auf den weiteren Entwicklungsverlauf der Software (und das ist gut so).

Um nun auf Learning Management Systeme zurückzukommen: Viele Unternehmen beteiligen sich beispielsweise an der Entwicklung von Moodle. So erhält diese Software ständig neue Funktionen, die anscheinend »am Markt« benötigt werden. Ähnlich sieht es bei anderen Open Source LMSen aus. Und deswegen dürfte es für die kommerziellen Anbieter nicht leichter werden, sich am Markt der Learning Management Systeme zu behaupten.

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