Plädoyer für mehr informelles Lernen

Jochen Robes, Leiter der Abteilung Content Services bei X-Pulse, ist von Checkpoint eLearning zum Thema informelles Lernen interviewt worden:

In einem ihrer Vorträge machten sie deutlich, wo die Unterschiede zwischen dem Corporate Gedanken für Wissensmanagement und dem Persönlichen Wissensmanagement lägen. Abschließend sagten sie, es sei eine Herausforderung diese beiden Bereiche zusammen zu bringen. Wie stellen sie sich das vor?

Dr. Jochen Robes: Die Unterscheidung, auf die ich vor allem hinweisen wollte, ist die zwischen formellem und informellem eLearning. Heute liegt der Schwerpunkt in Unternehmen, was eLearning betrifft, in elektronisch gestützten Kursen, wie wir sie seit den ersten Tagen des CBT kennen. Der Mitarbeiter tritt dabei aus dem Arbeitsprozess heraus, um zu lernen. Er "öffnet" ein Lernprogramm mit einem definierten Umfang, sequenziell abgehandelten Themen und mit Aufgaben und Tests zur individuellen Wissensüberprüfung.

In wissensintensiven Arbeitsprozessen suchen Mitarbeiter jedoch Angebote, die darüber hinausgehen: Sie nutzen das Internet, Suchmaschinen wie Google, Portale und Datenbanken, um relevante Informationen zu finden. Sie greifen auf Online-Communities, Expertengruppen und Diskussionsforen zurück, um sich in Netzwerken zu orientieren und ihre Entscheidungen zu stützen. Sie lernen, ohne aus dem Arbeitsprozess herauszutreten.

Diese Form des Lernens setzt natürlich voraus, dass Mitarbeiter autonom und eigenverantwortlich ihre Arbeits- und Lernprozesse steuern können! Deshalb habe ich, natürlich stark verkürzt, auch vom "eLearning für Wissensarbeiter" gesprochen. An anderer Stelle wird diese Form des arbeitsintegrierten Lernens mal persönliches Wissensmanagement, mal informelles Lernen bzw. e-Learning genannt. Wie auch immer: Es ist bis heute noch viel zu selten ein Thema in der betrieblichen Weiterbildung, obwohl gerade hier ungeheure Potenziale liegen.

Die Verwendung des Begriffs Wissensarbeiter ist in dem Interview etwas missverständlich. Auch wenn er einfach nur die Veränderungen in den Kompetenzanforderungen verdeutlichen soll, trägt der Begriff auch etwas elitäres in sich. Aber gerade beim informellen Lernen ist, ja soll dies nicht der Fall sein, vielmehr steht das informelle Lernen für einen Wissensaustausch der Lernenden unter Zuhilfenahme der verschiedensten, alltäglichen Kommunikationswerkzeuge -- außerhalb eines didaktisch organisierten Rahmens.

Weiterlesen bei Checkpoint eLearning: Informelles Lernen im Betrieb.

E-Learning-Blog: 

Neuen Kommentar schreiben