Massenabmahnung für die Musikindustrie finanziell interessanter als Download-Verkäufe?

In der Blogosphäre macht gerade eine Präsentation der Firma DigiRights Solutions die Runde, in der das Unternehmen, ein »Dienstleister für die Musik-, Film-, Computerspiel- und Softwareindustrie«, eine Beispielrechnung von Abmahnungen gegenüber Download-Verkäufen aufmacht. Für mich klingt das so, als ob bei gut laufenden Themen eine Massenabmahnung lukrativer sein kann als der legale Download-Verkauf. Die Argumente der Präsentation:

  • Einnahme pro legalem Download: 0,60 €
  • Einnahme pro Download und zahlendem Rechtsverletzer: 90,00 €
  • »Wenn 1.250 Rechtsverletzer erfasst werden, die zahlen, müssten zur Erwirtschaftung des entsprechenden Ertrages 150.000 Downloads legal verkauft werden«
  • »Bei einer Zahlquote von 25% müssten also pro Monat 5.000 illegale Downloads eines bestimmten Produkts erfasst werden. Dies ist pro Woche eine Erfassungszahl von 1.000, was bei gut laufenden Themen realistisch ist.«

Wenn man das konsequent zu Ende denkt, könnte man als Musikverleger auf die Idee kommen, zwar einen Download-Shop einzurichten, diesen aber in der Bedienung möglichst kompliziert zu gestalten und die Songs zu wenig attraktiven Preise anzubieten. Das dürfte dann die Interessenten in die großen Tauschbörsen treiben.

Rechtsanwalt Udo Vetter findet noch einen anderen Aspekt daran interessant. In seinem law blog schreibt er:

Ein sehr schöner Beleg dafür, wie die Branche mittlerweile tickt. Überdies ein wunderbares Dokument, welches Gerichte sicher gerne lesen werden, wenn sie sich mit der Frage nach dem Rechtsmissbrauch durch Massenabmahnungen beschäftigen müssen.

Außerdem eine ziemliche Gefahr für die beteiligten Anwälte. Die behaupten nämlich immer gern, sie würden ihren Mandanten die gesetzlichen Gebühren in Rechnung stellen, so dass diese von den Abgemahnten auch tatsächlich Gebühren in dieser Höhe erstattet verlangen können.

Auf netzpolitik.org ist dazu ebenfalls etwas zu lesen: DigiRights Solutions Praesentation zur Gewinnverbesserung durch Abmahnungverfahren.

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