Zeitungsphilister und Leute mit Laptops

Letzte Woche war die re:publica, eine der größten Konferenzen überhaupt in Deutschland. In den großen Medien wurde darüber verhalten berichtet, und wie in der Vergangenheit auch, haben sich einige Redakteure an der Bloggerwelt abgearbeitet. Für Thomas Knüwer ist der Grund ganz klar: Neid.

Für den Leser quälend trieft durch ihre Zeilen der Neid, dass da Leute das gleiche Handwerk betrieben wie sie: schreiben. Und das tun sie einfach so, als Hobby. Sie schreiben nicht über das, was ihnen Ressortleiter, Chefredakteure oder die Tagesaktualität diktieren – sie schreiben über das, was sie interessiert. Dabei sagen sie auch noch deutlich ihre Meinung. Und dafür ernten sie dann auch noch Leserkommentare, Resonanz und dürfen auf einem Kongress stehen und Bier trinken.

In dem zitierten Blogbeitrag findet sich aber noch eine ganz andere Perle. Nämlich der Verweis auf die Zeit nach den bürgerlich-liberalen Revolutionen um 1848 und eine starke Parallele in der Wahrnehmung damaliger »Zeitungsphilister« und heutiger »Online-User«:

Eine (…) besonders interessante Spezies ist der liberale Zeitungsphilister. Bevor derselbe Morgens seine Zeitung gelesen hat, ist er nur ein halber Mensch; über dem Lesen aber geht ihm ein Licht nach dem andern auf, so daß er abends beim Schoppen über alle Tagesfragen mit zu Gericht sitzen kann und nicht begreift, wie es möglich ist, anderer Meinung zu sein.

Dieser großartige Vergleich wurde im Blog »Der Umblätterer« herausgearbeitet: Der Zeitungsphilister von gestern als digitaler Bohèmien von heute.

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Kommentare

Also ich finde, dass die Zeiten von Journalisten vs. Blogger eigentlich seit ca. 1-2 Jahren vorbei sind. Mir scheint es so, dass manche Blogger das ganze aufwärmen, um sich vor Kritik zu schützen. Wahrer ist wohl eher, dass Blogger nun genau so Opfer von Kritik werden wie andere Player. Das ganze auf Neid zu reduzieren finde ich unpassend. Ich selbst finde an der Bloggerszene auch sehr viele kritikwürdig.

Das sich Journalisten und Blogger reiben, scheint ein Ritual geworden zu sein ;-) Ohne jetzt auf die Qualitäten oder Probleme der Bloggerszene einzugehen, finde ich es schon bemerkenswert, dass die professionellen Journalisten anscheinend immer noch nicht ihren Frieden mit der Blogosphäre geschlossen haben.

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