E-Learning 2.0 und Hacker-Kultur

Momentan habe ich nicht sehr viel Zeit fürs bloggen. Aber gerade hat es sich ergeben, dass ich wieder den wunderschön geschriebenen Artikel von Juli Zeh über Open Source und Hacker-Kultur in den Händen halte. Der befindet sich schon geraume Zeit auf meiner "to Blog"-Liste, weil er anschaulich beschreibt, was Open Source-Entwickler antreibt sich untereinander auszutauschen. Das ist unter dem Aspekt des Lernens und der Kompetenzentwicklung gerade dann interessant, wenn man sich mit Social Software und E-Learning 2.0 und für deren Einsatz erforderlichen Kompetenzen beschäftigt:

Als die ersten Bäume im Garten Eden gepflanzt wurden, war Freund F. noch nicht einmal geplant, geschweige denn geboren. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen Computerbesessene in den USA, an einer technischen Revolution zu arbeiten. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelten die beteiligten Experten neben Programmen für Großrechner eine neue Identifikation, die unter dem Dach des Begriffs »Hacker« ein terminologisches Zuhause fand. Bevor der Ausdruck unter die Räder des Alles-ist-schrecklich-Diskurses geriet, bezeichnete er keineswegs einen Computerkriminellen, der die Sicherheitssysteme privater Unternehmen oder öffentlicher Einrichtungen knackt. Gemeint war vielmehr ein Programmierer, der sich beim Umgang mit den gewissermaßen im Minutentakt auftauchenden Problemen einer bestimmten Methode bedient.

Und die funktioniert so: Ein Hacker definiert ein technisches Ziel, das mit Hilfe eines noch zu schreibenden Programms erreicht werden soll. Er gibt das Ziel und die entstandenen Schwierigkeiten gemeinsam mit einem ersten Lösungsansatz allgemein bekannt. Die Angesprochenen erhalten sämtliche Informationen, die zum Lösungsversuch geführt haben, und somit das Recht, die erstmalig verbreitete Version des Programms zu benutzen, zu testen und weiterzuentwickeln. Mit diesem Recht geht die ungeschriebene Verpflichtung einher, den Quellcode der ursprünglichen Lösung sowie alle darauf basierenden Verbesserungsvorschläge ebenfalls frei zugänglich zu machen. Auf diese Weise wird Schritt für Schritt und unter Ausnutzung einer Ressource, die sich als kollektive Kreativität bezeichnen ließe, ein optimiertes Resultat erreicht. F. bekommt rote Backen, wenn er nur daran denkt.

Neuartig daran ist nicht das Arbeitsverfahren selbst. Das Prinzip offener Quellen und freien Gedankenaustauschs regiert von jeher das akademische Leben. Die zeitliche und intellektuelle Begrenztheit jedes Einzelnen macht Zusammenarbeit mit anderen zu einer zwingenden Voraussetzung des wissenschaftlichen Fortschritts. Grund für rote Backen bietet eine kleine, aber feine Besonderheit: In der Welt der Universitäten und Forschungsinstitute ist das Ideen-Sharing für gewöhnlich so lange frei, wie es sich im präökonomischen Stadium des reinen Erkenntnisstrebens bewegt.

Weiterlesen bei ZEIT online: Juli Zeh: Es werde Linux.

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