LERNET Leitfaden: E-Learning für Mittelstand und öffentliche Verwaltung

Shot LERNET Report 13
LERNET-Report #13: E-Learning für Mittelstand und öffentliche Verwaltungen. Ein Leitfaden zur erfolgreichen Nutzung und Produktion moderner E-Learning-Angebote. 72 Seiten.

Der 13. Report des LERNET widmet sich ganz meinem Thema: E-Learning im Mittelstand und in der öffentlichen Verwaltung. Auch wenn der erste Teil, der sich in erster Linie an Entscheider richtet, wenig auf die anvisierte Zielgruppe eingeht, enthält der zweite Part doch eine anschauliche Zusammenfassung der Erfahrungen aus den LERNET-Projekten.

Leider wird auch bei LERNET E-Learning ausschließlich in klassischer Form als eine "Veranstaltung", einen Kurs, betrachtet. Das heißt qua Defintion ist E-Learning Weiterbildung in Form von WBTs und CBTs unter Zuhilfenahme von Learning Management Systemen (LMS). Andere Formen wie das informelle Lernen werden nicht dazu gezählt, denn dort werden die ...Inhalte nicht didaktisch aufbereitet.

Der Leitfaden definiert und stützt sich auf vier Grundformen der Weiterbildung:

  1. Präsenzschulungen
  2. Blended Learning
  3. reines E-Learning
  4. Learning on Demand

Wie Jochen Robes treffend festgestellt hat, irritiert hier der letzte Punkt. Denn natürlich ist Learning on Demand nichts weiter als eine Unterform von E-Learning, das häufig auch unter dem Schlagwort lexikalisches Lernen anzutreffen ist. BTW, in diesem Zusammenhang halte ich die Position der Autoren für nicht ganz konseqent: Auf der einen Seite wird informelles Lernen wegen einer fehlenden didaktischen Aufbereitung nicht als E-Learning betrachtet, andererseits wird dem lexikalischen Lernen eine eigene Grundform der Weiterbildung zugeschrieben.

Kapitel 1 bis 13 richten sich an E-Learning-Entscheider:

  • E-Learning Allgemein: Was kann E-Learning?
  • Zielgruppen und Nutzer: Welche Mitarbeiter können E-Learning-Agenbote nutzen?
  • Lernbedürfnisse: Wer kann mit E-Learning lernen wie lernen?
  • Lernformen: Wie findet man die richtigen Lerninhalte?
  • Lerninhalte: Besteht die Möglichkeit, eigene Inhalte zu integrieren
  • Eigene Lerninhalte: Wie teuer dürfen E-Learning-Angebote sein?
  • E-Learning-Kosten: Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig?
  • Technik: Wie prüft man Qualität von E-Learning-Angeboten
  • Produktivität: Wie lassen sich Mitarbeiter für das Lernen und für E-Learning begeistern?
  • Motivation: Rein selbstorganisiertes Lernen, Lernen ind Gruppen und/oder tutorielle Unterstützung?
  • Betreuung: Lernen während der Arbeitszeit oder auch nach Feierabend? Lernen nur am Arbeitsplatz, oder auch unterwegs oder zu Hause?
  • Bildungscontrolling: Lernen die Mitarbeiter das, was sie wirklich brauchen? Wie kontrolliert man Lernerfolg? Wie misst man Produktivität des E-Learning (ROI)

Shot LERNET Report 13
Der Leitfaden ist generell recht knapp gehalten, manchmal zu knapp. Die Kapitel 2 (Zielguppe) und 4 (Lernformen) bespielsweise gehen gerade einmal auf technische Anforderungen und die Affinität zum Computer verschiedener Benutzergruppen ein. Außer Acht gelassen bleiben unter anderem Dinge wie notwendige Fähigkeiten (Sozialkompetenz, Fähigkeit zur Selbstorganisation, Lernkompetenz) oder auch organisatorische Fragen: Wie viele Freiheiten sollten den Mitarbeitern für ein selbstorganisiertes Lernen eingeräumt werden? Welche Probleme erwachsen daraus speziell im Hinblick auf die unmittelbaren Vorgesetzten?

Einige Mythen rund ums kursbasierte E-Learning finden sich auch hier wieder: So wird davon ausgegangen, dass sich modularisierte WBTs in einfacher Form kombinieren und vermengen lassen. Praktisch funktioniert so etwas jedoch nie, denn didaktische Konzeption, Navigation und Lay-out sind derart unterschiedlich, dass immer ein Bruch vorhanden ist. SCOM, AICC, LOM etc. funktionieren nur dort, wo es strenge, einheitliche Richtlinien zu Contenterstellung gibt: Z.B. beim Militär. Aus den dortigen Anforderungen sind denn auch die meisten dieser Standards entwickelt worden.

Entscheider dürften besonders über zwei Punkte enttäuscht sein. Es werden weder Kostenbeispiele genannt (auch wenn das Kapitel 7: "Wie teuer dürfen E-Learning-Angebot sein?" etwas anderes verspricht) noch wirkliche Hilfstellungen geboten, wie die Qualität von E-Learning-Angeboten erkannt werden kann.

Für mich ist natürlich der zweite Teil des Leitfadens, der sich an E-Learning-Produzenten richtet, viel interessanter. Hier finden sich die in den Projekten des Lernnet gesammelten Erfahrungen wieder. Leider ist auch dieser Teil arg kurz geraten. Und einiges davon stellt Basiswissen, von dem ein E-Learning-Produzent sicherlich schon wesentlich mehr gesammelt hat.

Die Kapitel im Einzelnen:

  • Marktstrategien und Marktnischen für E-Learning-Produzenten: Wie sieht der Absatzmarkt für E-Learning heute aus? Welche Bedingungen müssen Angebote für KMU und Verwaltungen erfüllen?
  • Kostengünstiges Produzieren: Wie lassen sich Produktionsabläufe bei der Erstellung von E-Learning-Content organsieren?
  • Qualitätsmanagement: Wie kann man die Qualität bei der Produktion von E-Learning-Inhalten sicherstellen?
  • Marketing: Wie erreicht man KMU und öffentliche Verwaltungen?
  • Geschäftsmodelle: In welcher Unternehmensform und mit welchen Partnern lassen sich E-Learning-Anwendungen für die berufliche Weiterbildung vertreiWunschesWunschesben?

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Nachtrag: Das EU-geförderte Projekt ARIEL hat erste Forschungsergebnisse zum Thema E-Learning in KMUs veröffentlicht.

tp://www.tschlotfeldt.de/node/29

Kommentare

Lieber Herr Schlotfeldt,
vielen Dank für Ihre ausführliche Analyse unseres Leitfadens. Einige Ihrer Kritikpunkte können wir durchaus nachvollziehen - über die würden wir gerne weiter öffentlich diskutieren (z.B. über die Kosten von E-Learning).
Bei zwei Punkten muss ich dagegenhalten: Für uns zählt eindeutig auch Learning-on-demand zum E-Learning.
Allerdings nicht mehr die Informationsbeschaffung per Google. Es gibt inzwischen sehr viele Informationsmodule, die pädagogisch aufbereitet sind.
Und dass man sie in Zukunft auch beliebig kombinieren kann - diesen Beweis wird jetzt das neue LERNET-Projekt ContentSharing antreten.
Bitte lassen Sie uns in Kontakt bleiben.

Viele Grüße aus Essen
- das LERNET-Begleitforschungsteam -

Hallo Herr Dr. Goertz,

ich freue mich sehr über ihren offenen Dialog.

Das LERNET-Projekt ContentSharing wird sicherlich spannend. Ich hatte etwas provokant von Mythen geschrieben. Das resultierte sicherlich auch aus meiner eher frustierenden Erfahrung mit Versuchen, Content verschiedener Anbieter unternehmensintern zu kombinieren. Dabei ist die technische Anpassung an die verschiedenen LMSe noch gar nicht mal das eigentliche Problem gewesen. Wenn Sie jedoch bei der Konzeption eines WBTs eine konstruktivistische Didaktik zugrunde gelegt haben mit den daraus resultierenden Konsequenzen (ich möchte hier vor allem auf die zwei Aspekte authentischer, arbeitsweltorientierter Kontext und multiple Kontexte hinweisen), dann haben Sie einfach das Problem, dass technisch kombinierbare Module (aka Learning Objects) inhaltlich nicht zusammen passen. Vom Benutzer-Interface einmal ganz abgesehen.

Dies ist insbesondere ein Problem großer Unternehmen mit einer eigenen Lernplattform. Als E-Learning-Consultant habe ich es hier noch nicht erlebt, dass diese Unternehmen Content so eingekauft haben, dass weder inhaltlich noch technisch oder gar gestalterisch Hand angelegt werden musste.