Kämpfe um die Ressourcen der Wissensgesellschaft: Die GVU

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die etablierten Medien über die für eine Informationsgesellschaft ziemlich weitreichenden Konsequenzen berichten, die durch die Änderungen in Urheber- Patent- Und Senderechten allmählich offensichtlich geworden sind. Die Ironie dabei ist, dass ausgerechnet ein technikorientierter Verlag, den früher nur Nerds kannten, mittlerweile zum schärfsten Berichterstatter in diesem Bereich geworden ist: der Heise-Verlag.

Die c't (aus dem Heise-Verlag) berichtet in der aktuellen Ausgabe, wie mit Hilfe der GVU, der vor allem für die Filmbranche tätigen Gesellschaft für die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen, gerade eine Hausfrau anscheinend unschuldig für 14 Tage in Untersuchungshaft gesperrt und erst nach Hinterlegung einer Kaution von 25.000 EUR wieder entlassen wurde. Nach Recherchen der c't ist es in einigen Bundesländern üblich, dass sich die Justiz durch die GVU helfen läßt. Im Editorial dieser Ausgabe beschreibt Urs Mannsmann dank des aktuellen Falls anschaulich, zu welchen gegensätzlichen Maßnahmen es bei Urheberrechtsverstößen kommt:

Eben diese GVU stellte im eingangs erwähnten Fall der Hausfrau Strafantrag wegen des Verbreitens von Industriefälschungen und nahm dazu auch gleich gutachterlich Stellung. Diesem fragwürdigen Pseudo-Gutachten vertrauten die Strafverfolger blind. Unabhängige Experten hinzuzuziehen hielten sie für unnötig. Mit Raubkopien kennt sich die GVU eben bestens aus.

Anderenorts herrscht bei den Rechteverwertern Laisser-faire: Verlage beispielsweise, die ohne Information und Zustimmung des Rechteinhabers zusätzliche Ausgaben eines Buches herausbringen und die Erlöse dafür einstreichen, sind streng genommen auch Raubkopierer. Selbst wenn ihnen die Autoren auf die Schliche kommen, drohen keine strafrechtlichen Konsequenzen. Keine Spur von Härte und Gerechtigkeit.

Weiterlesen: c't 22/2006.

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